Vor ziemlich genau zwei Jahren sind blutige Stierkämpfe auf Mallorca per Gesetz verboten worden. Nun hat das spanische Verfassungsgericht die entsprechenden Regelungen gekippt – und die Tickets für den ersten Kampf gehen weg wie warme Semmeln.

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"Wie viel kosten die Karten?", erkundigt sich ein älterer Herr. Vier Verkaufsschalter gibt es in dem kleinen Gebäude neben dem Haupteingang zur Arena. Seniorentickets gehen bei 30 Euro los, andere bei 50, für bessere Plätze sind aber auch schon mal über 100 Euro angesagt.

Die Tickets gehen gut weg, heißt es am Schalter. Eine Frau kauft eine Karte für ihren 70-jährigen Vater. Dabei sagt sie selbst, sie fände es nicht gut, dass die Stiere leiden. "Aber meinem Vater gefällt's", sagt die Frau. Sie will ihn sogar hinbringen und wieder abholen.

Verfassungsgericht greift ein

Für Tierschützer Luis Miguel Pérez käme so was nicht in Frage. Er will, dass Stierkämpfe komplett verboten werden, und er wird am Freitagabend demonstrieren. Dass die Inselregierung vor zwei Jahren was gegen Stierkämpfe gemacht hat, findet er gut – auch wenn es Trickserei war: "Sie haben Auflagen eingeführt, zum Beispiel, dass die Stiere weder verletzt noch getötet werden dürfen und dass ein Kampf nicht länger als zehn Minuten dauern darf. Das ist für die Stierkampf-Fans dann keine echte Corrida mehr, deswegen hat kein Veranstalter sowas gemacht."

Ein einfaches Verbot hätte das Verfassungsgericht nämlich sofort gekippt, das war damals schon klar. Schließlich gilt der Stierkampf in Spanien als "immaterielles Kulturgut". Aber auch mit den Auflagen habe die Inselregierung ihre Kompetenzen überschritten, sagt nun das Verfassungsgericht. Deshalb kann es am Freitag auch wieder eine traditionelle Corrida geben. Sechs Stiere werden sterben.

Kampf Nummer 3.567 für "El Juli"

"Na und?", sagt José Barceló, vor vielen Jahren selbst Torero und noch immer glühender Stierkampf-Fan. "Die Stiere haben immerhin vier Jahre schöne Jahre auf der Weide gehabt", findet er - und viele, die den Stierkampf verteidigen sagen: In der Massentierhaltung geht es Tieren oft viel schlechter.

Mindestens zweieinhalb Stunden dürfte die Corrida dauern - und mit "El Juli" tritt einer der bekanntesten Toreros Spaniens auf. Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte der 38-Jährige mit 14. Am Freitag kommt Nummer 3.567.

Sendung: hr-iNFO, 09.08.2019, 9.20 Uhr

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