Hähnchen Mastbetrieb
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Über 30.000 Menschen in der EU sterben laut einer aktuellen Studie an multiresistenten Keimen. Ein Teil dieser Krankheitserreger stammt aus der Landwirtschaft. Wie kommt das?

Die erste Untersuchung wagte vor sieben Jahren das Land Nordrhein-Westfalen: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz stellte fest, dass über 90 Prozent der in den Handel gelangten Masthähnchen mit Antibiotika behandelt wurden. Dabei kamen bis zu acht verschiedene Wirkstoffe gleichzeitig zum Einsatz.

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zum Artikel Multiresistente Keime aus der Tiermast: Was kann man dagegen tun?

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Antibiotika dürfen heute nicht mehr eingesetzt werden, um die Tiere schnell erwachsen zu lassen - das ist ein Nebeneffekt der Medikamente. Da die Masthähnchen in der engen konventionellen Intensivhaltung - sechsundzwanzig Hähnchen auf einem Quadratmeter - aber gewöhnlich mindestens einmal in ihrem kurzen Leben von maximal sechs Wochen krank werden, kann man diesen Effekt mitnehmen.

Pharmaindustrie hat reagiert

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit teilte 2016 mit, dass bei der Verringerung von Campylobacter in den Lebensmittelketten Mastpute und Masthähnchen in den letzten Jahren keine Fortschritte erzielt wurden. Campylobacter-Bakterien lösen bei Menschen entzündliche Durchfall-Erkrankungen aus, die für ohnehin geschwächte Patienten im Krankenhaus tödlich sein können, wenn die Keime auf Antibiotika nicht mehr reagieren. Über ein Viertel der Proben von Putenfleisch und über die Hälfte der Hähnchenschenkel waren kontaminiert.

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Der Antibiotikaeinsatz führt also nicht dazu, dass die Tiere gesund sind, sondern dazu, dass die Keime, die sie mitbringen, nicht mehr auf Antibiotika reagieren. Ähnlich wie den Hähnchen ergeht es übrigens auch vielen Mastschweinen in Intensivhaltung. Inzwischen hat die Pharmaindustrie auf die Kritik am Antibiotikaeinsatz in der Tiermast reagiert: Sie hat den Tierärzten neue, wirksamere Antibiotika zur Verfügung gestellt. Dadurch kann die eingesetzte Menge drastisch gesenkt werden und die Statistik sieht viel besser aus. Dumm nur, dass die modernen Antibiotika genau zu den Wirkstoffen gehören, die für Menschen reserviert werden sollten.

Sendung: hr-iNFO, 7.11.2018, 9:15 Uhr

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