Organspende

Die Organspende in Deutschland soll reformiert werden - das will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Aber was bedeutet eine Organspende eigentlich ganz konkret und wie ist sie derzeit geregelt?

Wer kommt als Organspender in Frage?

In Deutschland gilt zurzeit die Entscheidungslösung. Das heißt, wer seine Organe nach seinem Tod spenden will, der muss zu Lebzeiten zugestimmt haben. Entweder in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung. Liegt nichts davon vor, dann sollten in der Regel die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person gefragt werden. Außerdem gilt in Deutschland: Nur bei hirntoten Menschen dürfen Organe entnommen werden. Beides schreibt das Transplantationsgesetz vor.

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Wann ist man hirntot und ist ein Mensch dann wirklich tot?

In Deutschland gilt man als hirntot, wenn die Funktionen vom Großhirn, Kleinhirn und vom Hirnstamm unumkehrbar ausgefallen sind. Dafür schreibt die Bundesärztekammer eine spezielle Diagnostik vor. Bei einer Untersuchungsmethode wird den Patienten eine radioaktive Substanz gespritzt, die sich nur bei gesunden Menschen in den durchblutenden Hirnabschnitten anreichert. Bei hirntoten Menschen lässt sich diese Substanz hingegen nicht nachweisen. "Es ist so, dass wir Menschen ohne Gehirn nicht leben können", sagt Ana Paula Barreiros, Ärztin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation. "Das ist die Zentrale von allem, die Zentrale fürs Atmen, für unseren Hunger, für unseren Herzschlag. Ohne unser Gehirn funktionieren diese Grundvoraussetzungen nicht mehr."

Wer entscheidet über einen Hirntod?

Über einen Hirntod entscheiden zwei Fachärzte. Das dürfen nicht dieselben Ärzte sein, die eine Transplantation durchführen. Zudem muss einer der Ärzte Neurochirurg oder Neurologe sein, der andere ein Intensivmediziner. Beide müssen langjährige Erfahrung in Intensivmedizin bei Patienten mit Hirnschädigungen haben.

Wer koordiniert die Organspenden in Deutschland?

In Deutschland regelt das die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Sie koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, in denen Organe entnommen werden, und den Transplantationszentren. Zurzeit warten in Deutschland rund 9400 Menschen auf ein Spenderorgan. Die meisten davon - rund 7000 - warten auf eine Niere. Für jedes einzelne Organ gibt es spezielle Wartelisten. Unter anderem gilt: Je dringender eine Operation, desto höher sind die Chancen auf ein Spenderorgan.

Welche Organe können entnommen werden?

Grundsätzlich gilt: Organe spenden können nur diejenigen, die zugestimmt haben. Vorausgesetzt die Organe sind gesund, dann zählen dazu: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm. Man kann aber auch Gewebe spenden wie zum Beispiel die Horn- und Lederhaut der Augen oder Herzklappen.

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Sendung: hr-iNFO, 6.5.19

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