Der Frankfurter Dom

Seit dieser Woche beraten Bischöfe und Laien unter dem Namen "Synodaler Weg" über Reformen in der katholischen Kirche. Wie das abläuft, worum es genau geht und wer dabei ist - ein Überblick.

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Bei der Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz werfen die Protagonisten Schatten bei der Vorstellung der neuen Missbrauchsleitlinien der katholischen Kirche.
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"Synodaler Weg": Das ist ein sperriger Begriff. Im Grunde eine Notlösung. Zehn Jahre nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche und damit verbunden der wohl größten Vertrauenskrise war den deutschen Bischöfen klar, dass es nicht einfach so weitergehen kann - und dass es zentrale Reformfragen gibt, die nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden können.

Ein erster, mehr oder weniger unverbindlicher Gesprächsprozess war schon vor Jahren im Sande verlaufen. Wenn es also einen Neuanfang im Reformdialog geben soll, dann muss der auch zu verbindlichen Ergebnissen und Beschlüssen führen.

Kirchenrechtlich ein "Nullum"

Für so etwas gibt es in der Kirche normalerweise Konzile oder Synoden. Aber die sind kirchenrechtlich streng geregelt. Und vor allem sehen sie keine größeren Mitbestimmungsrechte für Laien vor. Eine Synode durfte es also nicht sein. Aber dann vielleicht wenigstens doch ein bisschen.

So erfanden die deutschen Bischöfe den Synodalen Weg. Und die kirchlichen Laien, die im Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert sind, haben sich darauf eingelassen - weil sie sich erhoffen, dass sich auf diesem Weg wenigstens ein bisschen was bewegt in der katholischen Kirche. "Wir erfinden etwas ganz Neues", sagen die Verantwortlichen jetzt mit ein bisschen Stolz in der Stimme. Manche Experten wenden ein: Kirchenrechtlich ist der Synodale Weg eigentlich (so wörtlich) ein "Nullum", ein Nichts. Das heißt: Was am Ende dabei heraus kommt, ist jetzt noch völlig offen.

Bischöfe, Frauen, Jugendliche, Protestanten und Orthodoxe

Immerhin: 230 Delegierte stehen auf der Teilnehmerliste. Dazu gehören alle 69 katholischen deutschen Bischöfe. Dazu genau so viele Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Laienorganisationen wie zum Beispiel Frauen- und Jugendverbänden, Caritas, Ordensleute und ehrenamtlich Engagierte.

Außerdem weitere Einzelpersonen: Fachleute, Berater, kirchliche Prominente. Eingeladen sind auch zahlreiche Beobachter. Die katholischen Kirchen aus allen Nachbarländern schicken Vertreter, auch Beobachter aus anderen Konfessionen, von Protestanten und Orthodoxen zum Beispiel, sind neugierig, wohin der Synodale Weg führt.

Vier Themenschwerpunkte

Vier Themen sollen diskutiert werden:
1. Die priesterliche Lebensform. Dabei geht es um die Frage, ob Priester in Zukunft unbedingt zölibatär, also ehelos leben müssen. Kann es Ausnahmen geben, dass zum Beispiel bereits verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden oder der Zölibat nur freiwillig ist?
2. Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Wie viel Autorität haben die Kleriker, welche Rolle spielen die Laien? Unter anderen geht es auch darum, ob Entscheidungen eines Bischofs durch kirchliche Verwaltungsgerichte überprüft werden können.
3. Die katholische Sexualmoral. Viele Untersuchungen zeigen, dass die kirchliche Sexuallehre für die meisten Katholiken völlig irrelevant ist.
4. Die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Manche erhoffen sich, dass am Ende auch die Forderung steht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen oder wenigstens zu Diakoninnen. Das aber ist ziemlich unwahrscheinlich.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 301.12010, 9 bis 12 Uhr

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