Mitglieder des Weltklimarates (IPCC)
Die Risiken der Erderwärmung lassen sich nach Ansicht des Weltklimarats IPCC durch die Begrenzung auf 1.5 Grad einigermaßen einschränken. Bild © picture-alliance/dpa

Der Weltklimarat fordert zu einem entschlosseneren Kampf gegen die Erderwärmung auf. Nur so könnten enorme Schäden für Mensch und Umwelt abgewendet werden, heißt es in einem Sonderbericht. Aber was für eine Organisation ist der Weltklimarat eigentlich? Wir erklären, wer dahinter steht und welche Aufgaben er hat.

Der Weltklimarat wurde im Jahr 1988 gegründet und sitzt in Genf. Er ist eine Institution der Vereinten Nationen und wird seit 2015 von dem koreanischen Ökonom Hoesung Lee geleitet. International wird er kurz IPCC genannt, das steht für "Intergovernmental Panel on Climate Change" (deutsch: zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen).

Handlungsempfehlungen für die Politik

Schon in den Achtzigern warnten Wissenschaftler vor Erderwärmung, Anstieg von Treibhausgasen und potenziellen Schäden für die Umwelt. So kam es zur Gründung des Weltklimarats, erklärt im Jahr 2008 die damalige Direktorin Renate Christ: Gründe für die "Gründung des Weltklimarates waren sicher, dass von der Wisssenschaft gewisse Alarmsignale im Hinblick auf die CO2-Konzentrationen und Klimaveränderungen gekommen sind und man dann also in der UN-Generalversammlung Debatten hatte: Ist es notwendig, eine globale Konvention zur Klimaänderung zu verhandeln und zu verabschieden? Aus diesem Grund wurde der Weltklimarat im Jahr 1988 gegründet."

Aufgabe des Weltklimarates ist es, die Politik in Fragen der Klimawissenschaft zu beraten. In die Papiere des Gremiums fließen die Erkenntnisse hunderter Wissenschaftler zur Erderwärmung ein. Die Dokumente geben Handlungsempfehlungen an die Politik und gelten als wichtige Verhandlungsgrundlage für die internationalen Klimaverhandlungen. Die Berichte sollen neutral und unabhängig sein, Meinungsverschiedenheiten sollen in den Berichten benannt werden. "Das ist wirklich das Erfolgsrezept vom Weltklimarat - dass wir unabhängig von politischer Einflussnahme Informationen für politische Entscheidungen liefern können", so die ehemalige Direktorin Christ im Jahr 2008.

Unabhängigkeit umstritten

Ob die Berichte des Weltklimarats tatsächlich so unabhängig sind, ist aber umstritten. Denn vor Veröffentlichung werden die zentralen Aussagen mit Vertretern von Regierungen diskutiert. Großmächte wie die USA oder China machten ihren Einfluss geltend, um brisante Passagen in Abschlussberichten zu entschärfen, so die Kritik. In eine Glaubwürdigkeitskrise geriet der Rat, als in den Berichten von 2007 fehlerhafte Prognosen über das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher, die Bedrohung der Niederlande und Wassermangel in afrikanischen Ländern entdeckt wurden.

Trotzdem ist der Weltklimarat das führende internationale Gremium zu wissenschaftlichen Fragen und Antworten rund um die Erderwärmung. Ende 2007 erhielt der Rat zusammen mit dem ehemaligen US-Vizepräsident Al Gore den Friedensnobelpreis. Es sei Zeit, mit der Welt Frieden zu schließen und zu handeln, sagte Gore damals. Die Erkenntnisse des Weltklimarates duldeten keinen Aufschub: "Wir haben die Fähigkeit, diese Krise zu lösen und das Schlimmste zu vermeiden - wenn auch nicht alle Konsequenzen. Wir müssen schnell und zielstrebig handeln. Trotzdem gibt es immer noch eine große Zahl an Wankelmütigen. Viele Politiker sind immer noch am besten mit den Worten Winston Churchills beschrieben, als er vor den Gefahren Hitlers warnte", so Gore.

Weitere Informationen

Der Weltklimarat steht zwischen Wissenschaft und Politik. Er setzt sich aus verschiedenen Mitgliedergruppen zusammen:

1.) aus Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, die für ihn als Autoren und Gutachter arbeiten.
2.) aus Experten, die von Regierungen der Mitgliedsstaaten geschickt werden. Derzeit nehmen 195 Länder am Weltklimarat teil.
3.) aus Beobachtern die von internationalen Organisationen geschickt werden. Mehr als 100 Organisationen sind derzeit beim Weltklimarat akkreditiert.

Seit seiner Gründung 1988 veröffentlichte der Rat fünf große Sachstandsberichte und mehrere Sonderreporte zum Klimawandel.

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Sendung: hr-iNFO, 8.10.2018, 16:30 Uhr

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