Ein Traktor mit Gülle-Anhänger versprüht Gülle auf einem Acker
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Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat Deutschland wegen Verletzung von EU-Recht verurteilt, weil die Bundesregierung zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen hat. Wir erklären, was der Stoff im menschlichen Körper anrichtet.

Zuerst die Chemie: Nitrate sind Stickstoffverbindungen. Chemisch ist ein Stickstoffteilchen mit drei Sauerstoffteilchen verbunden zu NO3. Ihr landläufiger Name war früher Salpeter, da die Nitrate Salze von HNO3 sind – also von Salpetersäure.

Nitrate sind wichtige Nährstoffe für Pflanzen. Sie werden als Stickstoffdüngerverbindungen auf die Äcker ausgebracht und garantieren gute Ernten. Ein Teil der Nitrate für die Düngerherstellung wird aus Bodenmineralien gewonnen, ein großer Teil aber kommt über die Gülle auf die Äcker und Wiesen. Gülle ist das flüssige Gemisch aus Kot und Urin, das bei der Tierhaltung in Ställen entsteht, in denen kein Stroh mehr eingestreut wird.

Zu viel Gülle

Die intensive Tierhaltung der modernen Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten auch den Zukauf von Futtermitteln intensiviert. Die Landwirte halten mehr Tiere, als sie mit ihren eigenen Flächen ernähren könnten. Dadurch produzieren sie aber auch mehr Gülle, als ihre eigenen Äcker und Wiesen aufnehmen können.

Dennoch "entsorgen" sie die Gülle auf den eigenen Flächen. Die Folge ist die Überdüngung der Böden. Die Pflanzen binden das Nitrat aus der Gülle nicht mehr, das Nitrat sickert mit dem Regenwasser durch die Böden ins Grundwasser oder wird von den Äckern in Gräben, Bäche und Flüsse gespült.

Im Körper wird Nitrat zu einem Gift

Im Trinkwasser angekommen, wird das Nitrat zur Belastung. Von uns getrunken und im Körper zu Nitrit umgebaut, wird es zu einem Gift, das Durchblutungsstörungen verursachen kann und die Sauerstoffbindung des Blutes verhindert. Besonders gefährlich sind Nitrite für Säuglinge, die noch nicht über genügend körpereigene Schutzmaßnahmen verfügen. Nitrosamine, die sich aus Nitriten bilden können, sind zudem krebserregende Substanzen.

Die Europäische Union setzt den Nitrat-Grenzwert für Trinkwasser auf 50 Milligramm pro Liter fest, für Säuglinge auf zehn Milligramm pro Liter. Auf einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik ist dieser Grenzwert überschritten, am deutlichsten in den Regionen intensiver Landwirtschaft. Abhilfe gegen zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers könnte eine Reduzierung mineralischen Stickstoffdüngers in der Landwirtschaft bringen - und eine Flächenbindung der Tierhaltung. Die Biolandwirte machen es vor. Sie halten nur so viele Tiere, wie ihre eigenen Böden Dünger aufnehmen können.

Sendung: hr-iNFO, 21.6.2018, 9:30 Uhr

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