Landtag Plenarsaal Sujet
Landtag in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Hessen war am Wochenende groß in den Schlagzeilen: Das Land zocke, hieß es – und zwar mit komplizierten Finanzgeschäften, sogenannten Zinsderivaten. Wir erklären, was genau es damit auf sich hat.

Die Idee hinter Zinsderivaten ist einfach: Sie funktionieren wie eine Art Versicherung, mit der man sich absichern kann gegen gewisse Risiken. In Hessen wollte man sich für den Fall absichern, dass die Zinsen in Zukunft wieder steigen.

Beispiel: Eine Stadt muss eine Brücke sanieren. In fünf Jahren will man dafür einen Kredit aufnehmen. Wenn die Zinsen bis dahin aber massiv steigen, könnte das Schuldenmachen für die Stadt teuer werden - vielleicht sogar unbezahlbar. Um dieses Risiko zu umgehen, schließt die Stadt mit einer Bank einen Vertrag ab. Sie sichert sich schon jetzt einen vertretbaren Zinssatz für die Zukunft. Das macht das Ganze für sie planbarer und berechenbarer.

Eine Wette auf die Zinsentwicklung

Solche Absicherungsgeschäfte können allerdings auch nach hinten losgehen. Denn wenn - wie in diesem Fall - die Zinsen eben nicht steigen, sondern wie jetzt dauerhaft niedrig bleiben, muss die Stadt trotzdem den vereinbarten Zinssatz zahlen. Auch wenn sie den Kredit vielleicht viel günstiger bekommen würde. Dann wäre das Ganze ein Geschäft, bei dem man drauflegt. Wer solche Zinsderivate nutzt, geht letztlich also auch damit ein gewisses Risiko ein. Denn dahinter verbirgt sich im Grunde eine Art Wette, wie sich die Zinsen in der Zukunft entwickeln - und diese Wette kann immer nur einer der beiden Vertragspartner gewinnen.

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Um sich gegen steigende Zinsen abzusichern, hat das Land so genannte Zinsderivate gekauft. Dabei hat sich das Finanzministerium nach einem Medienbericht kräftig verspekuliert. Die Opposition verlangt Aufklärung - und soll sie nach Aussagen des Finanzministers auch bekommen. [mehr auf hessenschau.de]

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Von solchen Zinswetten gibt es ganz unterschiedliche Spielarten: auch sehr riskante Finanzgeschäfte, mit denen sich schon etliche Kommunen verspekuliert haben.  Auf der anderen Seite nutzen etliche Bundesländer solche Zinsderivate schon lange, um ihre Kreditgeschäfte gegen Zinsveränderungen abzusichern. Einige Finanzexperten halten das für unnötig: Wenn die Länder häppchenweise immer wieder neue Anleihen herausgeben würden mit unterschiedlichen Laufzeiten, könnten sie auch damit ihr Risiko minimieren. Und sie könnten damit in jedem Fall Geld sparen. Denn an Zinsderivaten verdient die Finanzindustrie immer mit.

Sendung: hr-iNFO, 27.8.2018, 12:15 Uhr

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