Fleischtheke

Corona-Ausbrüche in Fleischfabriken haben in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt. Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sind teilweise prekär. Besonders problematisch: die Rolle von Subunternehmen, die auf Basis von Werkverträgen tätig sind.

Warum stehen die Werkverträge in der Fleischindustrie in der Kritik? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Problem: Werkverträge bergen das Risiko, dass keiner verantwortlich gemacht werden kann, wenn es zu Missständen kommt.

Wie läuft das konkret in der Fleischindustrie?

An einem vereinfachten Beispiel erklärt: Der Fleischbetrieb A beauftragt die Firma B mit der Schlachtung und Zerlegung. Firma B macht das aber nicht selbst, sondern sie beauftragt die Firma C mit der Schlachtung und eine weitere Firma D mit der Zerlegung. Vielleicht machen auch diese Firmen es nicht selbst, sondern suchen weitere Subunternehmen. Der Fleischbetrieb A hat die Verantwortung für die Einhaltung von Regeln somit wegdelegiert.

Am Ende wissen die Behörden gar nicht, für welche Firma die Arbeiter auf dem Gelände der Fleischfabrik tatsächlich tätig sind. Auch die Unterbringung der Mitarbeiter aus dem Ausland kann auf diese Weise kaum kontrolliert werden: Die entsprechenden Sub-Unternehmen - das ist bekannt – halten sich häufig nicht an Lohnuntergrenzen, Hygienevorschriften bei der Schutzkleidung und Mindeststandards bei den Unterkünften. Werkverträge in der Fleischbranche werden häufig missbraucht – da sind sich die Parteien der großen Koalition einig.

Sind Werkverträge denn grundsätzlich etwas Schlechtes?

Nicht unbedingt, sie sind weit verbreitet und bieten durchaus Vorteile. Man kennt es beispielsweise aus der Gebäudereinigung, der Kantinenbewirtschaftung, Gartenpflege oder auch, wenn es um die Wartung und Betreuung der digitalen Technik eines Unternehmens geht. Dabei gibt es durchaus Branchen, in denen die Werkverträge nichts mit Dumping zu tun haben, wie zum Beispiel die Autoindustrie.

Ein anderes beliebtes Beispiel für Werkverträge sind die Betriebskantinen: Ein Metallverarbeitungsbetrieb zum Beispiel versteht nichts von Gastronomie, er lagert die Kantinenbewirtschaftung an ein Unternehmen aus, das sich damit auskennt, weil es vielleicht sogar mehrere Kantinen betreibt. So kann es effektiver wirtschaften und günstiger einkaufen. Am Ende profitieren alle.

Und das kann sogar aus Arbeitnehmersicht so bleiben. So plädiert die Gewerkschaft NGG dafür, Werkverträge nur im Kernbereich der unternehmerischen Tätigkeit zu verbieten. Das hieße im Klartext: Ein Schlachthof muss mit eigenen Mitarbeitern schlachten. Garten- oder Reinigungsarbeiten dürfte er aber weiterhin per Werkvertrag erledigen lassen.

Was hat das Bundeskabinett dazu beschlossen?

Ab dem 1.1.2021 sollen strenge Regeln gelten: In Großbetrieben sollen keine Leiharbeiter mit Werkverträgen mehr zum Einsatz kommen dürfen. Das Fleischerhandwerk mit seinen vielen kleinen Betrieben bleibt von der Neuregelung aber ausgeschlossen.

Außerdem sollen schärfere und häufigere Kontrollen erfolgen und eine digitale Arbeitszeiterfassung eingeführt werden. Verstöße bei den Arbeitszeiten sollen laut Kabinettsentwurf mit bis zu 30.000 Euro geahndet werden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.05.2020, 9-12 Uhr

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