Kenia, Dadaab: Eine Mutter legt ihre Hand auf das Bein ihres stark unterernährten Sohns in einem von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit geführten Krankenhaus.

822 Millionen Menschen weltweit hungern. Das geht aus dem Jahresbericht der Welthungerhilfe hervor. Neben Kriegen, Dürre und Armut droht nun Corona die Situation noch zu verschlimmern. Doch was bedeutet Hunger eigentlich genau? Eine Begriffsklärung.

Sprechen Fachleute über Hunger, unterscheiden sie drei Arten: akuten, chronischen und verborgenen Hunger. Was genau bedeutet das?

Akuter Hunger

Davon spricht man, wenn Menschen aufgrund von Krisen wie Kriegen oder Katastrophen für eine begrenzte Zeit an Unterernährung leiden. Es ist die extremste Form von Hunger, denn er trifft oft Menschen, die bereits vorher schon wenig zu essen hatten.

Laut dem Welt-Hunger-Index sind acht Prozent der hungernden Menschen von akutem Hunger betroffen.

Chronischer Hunger

Als chronischer Hunger wird ein Zustand dauerhafter Unterernährung bezeichnet. Er ist global am weitesten verbreitet und tritt meist in Zusammenhang mit Armut auf. Chronisch Hungernde haben zu wenig Geld für eine gesunde Ernährung, für sauberes Wasser oder eine Gesundheitsversorgung. Laut Dirk Bathe, Sprecher der internationalen Hilfsorganisation World Vision betrifft das vor allem die Landbevölkerung. "Denn viele Kleinbauern haben nicht genug, um sich ausgewogen zu ernähren und zudem sind sie auch noch von Wetterfaktoren abhängig."

Laut dem Welt-Hunger-Index leben nur etwa 20 Prozent der Hungernden in Städten. Brennpunkte des Hungers liegen nach wie vor in Afrika südlich der Sahara - etwa "die Zentralafrikanische Republik, Somalia oder der Tschad", so Dirk Bathe. "Aber auch in asiatischen Ländern gibt es chronischen Hunger, das wird oft unterschätzt, das sind zum Beispiel Kambodscha oder Laos."

Verborgener Hunger

Der verborgene Hunger ist eine Form des chronischen Hungers und bedeutet oft eine einseitige Ernährung. Die Folgen sind auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar, langfristig führt der Nährstoffmangel aber zu schweren Krankheiten. Insbesondere Kinder können sich geistig und körperlich nicht richtig entwickeln. Gerade für Kinder hat sich durch  COVID-19 die Situation weltweit verschlechtert.

Schätzungen zufolge leiden zwei Milliarden Menschen an chronischem Nährstoffmangel - auch in den Industrieländern.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.7.2020, 15 bis 18 Uhr

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