WM-Stadion Brasilien
Fußball ist einfach: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Bild © picture-alliance/dpa

Eigentlich sollte eine WM ein Fest sein für den Sport und für die Menschen. Aber gerade bei der Vergabe eines solchen Events stehen politische und vor allem wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Das zeigt sich auch bei der WM-Vergabe 2026.

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Aktuell wird die Vergabe der WM 2026 diskutiert. Klarer Favorit ist der Dreierbund von USA, Mexiko und Kanada – UNITED 26. Aber wie heißt es so schön: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Und so ist das sportpolitisch hochbrisante Spiel auch für den zweiten Bewerber Marokko noch nicht vorbei. Es hat weiterhin die Chance, den Zuschlag für das Turnier zu bekommen. In der Entscheidung Nordafrika gegen Nordamerika ist also noch alles offen.

Besonders spannend macht es dieses Mal vor allem das geänderte Abstimmungs-Verfahren. Über die Vergabe der WM wird diesmal nicht nur im kleinen Zirkel abgestimmt. Neu ist, dass nun alle FIFA-Mitgliedstaaten gefragt sind – im sogenannten FIFA-Kongress. Hintergrund sind die Korruptions-Skandale um die Vergabe der Turniere in diesem Jahr nach Russland und in vier Jahren nach Katar. 

Neues Abstimmungsverfahren

Das Verfahren wird transparenter, weil jede Abstimmung offen gelegt wird, welcher Verband für wen abgestimmt hat. „Das macht es allerdings auch wieder schwierig, weil manche sich nicht die Blöße geben wollen, für den einen oder anderen Kandidaten abzustimmen“, sagt Tim Brockmeier aus der hr-iNFO-Sportredaktion, der zurzeit für die ARD-WM-Berichterstattung in Moskau ist.

Letztlich geht es bei der Vergabe aber nicht um Bewertungen oder die Frage, wer die besseren Stadien oder die bessere Infrastruktur hat. "Es geht allein um Geld, es geht allein um Beziehungen und es geht allein um Sportpolitik. Das macht das Ganze manchmal sehr ärgerlich, aber auch sehr spannend", so Brockmeier.

Internationaler Einfluss durch Sport

Über Sportpolitik lässt sich politischer Einfluss in der Welt bekommen. Das scheint auch US-Präsident Donald Trump so zu sehen und mischt sich kräftig in die internationale Sportpolitik ein. Und das über einen seiner Lieblings-Kommunikationswege: Twitter.

The U.S. has put together a STRONG bid w/ Canada & Mexico for the 2026 World Cup. It would be a shame if countries that we always support were to lobby against the U.S. bid. Why should we be supporting these countries when they don’t support us (including at the United Nations)?

[zum Tweet]

Trump will diese WM und macht deshalb politischen Druck. Er  hat den Staaten Afrikas deutlich zu verstehen gegeben, wen sie bei der Bewerbung um die Fußball-WM 2026 unterstützen sollen. Tun sie das nicht, wird es keine finanzielle Unterstützung mehr aus den USA geben.

Marokko fehlt Infrastruktur

In Marokko wurde das nicht gerne gehört. Gleichzeitig gibt sich der Bewerber selbstbewusst, zeige die Äußerung doch, wie ernst Trump die Konkurrenz durch Marokko nehme. Im direkten Vergleich hat Marokko aber die deutlich schlechteren Noten was Stadionbau, Hotels und Transport angeht. Ein wichtiger Punkt, denn bei der WM 2026 sollen erstmals 48 statt wie bisher 32 Teams antreten. Marokko ist aber fest davon überzeugt, ein solches Großereignis logistisch und finanziell stemmen zu können. Und hat sich prominente Unterstützung aus Deutschland geholt: Lothar Matthäus.

Punkten will das Land außerdem mit der höheren Attraktivität für die europäischen Märkte. Durch die geringe Zeitverschiebung wären die TV-Sendezeiten weitaus attraktiver – auch für Werbekunden. Es bleibt definitiv spannend, wer am Ende den Zuschlag für die WM bekommt. Beide Bewerber haben ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. 

Die Schwächen der Bewerber

Bei so einem Großereignis geht es aber nicht nur alleine um Zahlen, sondern auch um die Menschen. Egal, wer die WM 2026 ausrichten wird: am Ende soll es ein buntes, weltoffenes Turnier sein. Minuspunkt für Marokko ist da definitiv die Diskriminierung von Homosexuellen, denn Homosexualität ist in Marokko strafbar. "Die Vorurteile gegen Homosexuelle sind sehr, sehr tief verwurzelt. Für jedes fußballbegeisterte, homosexuelle Paar sind die Verhältnisse, was das anbetrifft, alles andere als eine Einladung", sagt Nordwestafrika-Korrespondent Jens Borchers.

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Die Schwäche von UNITED 26 ist dagegen die schwierige Sicherheitslage in Mexiko. Die ersten Monate in diesem Jahr sind so gewalttätig wie noch nie zuvor. In diesem Jahr sind bereits mehr als zehntausend Menschen ums Leben gekommen. Auch wenn sie diese Kriminalität häufig im Bereich des organisierten Verbrechens abspiele, sagt Mexiko-Korrespondentin Anne-Katrin Mellmann: "Mexiko müsste sich da schon sehr große Mühe geben, um als Ausrichter das Gefühl zu vermitteln, dass man hier sicher sein kann."

Sendung: hr-iNFO, 09.06.2018, 7.05 Uhr

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