Überschwemmungen nach Starkregen in Villmar

Extreme Hitze und Trockenheit auf der einen Seite, extreme Unwetter mit Starkregen auf der anderen Seite: Dass sich solche Wetterereignisse häufen, ist nach wissenschaftlicher Einschätzung Ausdruck des Klimawandels. Die Folgen für Menschen und Gemeinden sind auch in Hessen schon spürbar.

Südhessen

In Südhessen sind die Folgen des Klimawandels vor allem an den Bäumen schon deutlich sichtbar. Dem Wald geht es richtig schlecht - und das nicht erst nach den letzten drei sehr trockenen Jahren. Beispiel Darmstadt: Dort ist gerade der Zustand der rund 2000 Hektar Stadtwald genauer untersucht worden. Mit dem dramatischen Ergebnis: Die Hälfte aller Bäume ist bereits mittelstark bis stark geschädigt, und sieben Prozent sogar ganz abgestorben. Ein Runder Tisch hat daher Maßnahmen zur Waldrettung erarbeitet - mit dem obersten Ziel, den Wald in seiner Ausdehnung zu erhalten. Dafür muss er aber umgebaut werden. Zum Beispiel sollen Buchen, die mit der Dürre der letzten Jahre überhaupt nicht gut klargekommen sind, durch klimastressresistentere heimische Baumarten wie Eichen ersetzt werden.

Mittelhessen

Auch in Mittelhessen lassen sich die ersten Folgen der Erderwärmung erkennen. Wer im Kreis Marburg-Biedenkopf einen eigenen Garten hat, dem sind vielleicht diese zwei Insektenarten aufgefallen – die blaue Holzbiene und das Taubenschwänzchen. Die sind um Beispiel in Schröck schon gesichtet worden. Beide sind klimawandelbedingt auf dem Vormarsch, kamen bisher eher im Mittelmeerraum oder im Südwesten Deutschlands vor, breiten sich jetzt aber immer mehr aus, weil die Winter immer milder werden. Ob ihre Ausbreitung ein Problem für andere Tier- oder Pflanzenarten darstellt, ist noch gar nicht erforscht worden. Wer im Kreis Marburg-Biedenkopf spazieren geht, muss beobachten, dass immer mehr Laichgewässer für Frösche austrocknen, also kleine Bäche und Tümpel. Auf den Lahnbergen passiert das zum Beispiel mit den Larvengewässern für Feuersalamander. Die Folgen: fehlende Nahrung für Störche, Reiher oder Eulen.

Nordhessen

Es hat Hessen noch nicht so schlimm erwischt wie Rheinland-Pfalz oder NRW. Aber auch hier bei uns gibt es zunehmend Probleme mit Starkregen. Aktuelles Beispiel: Merzhausen im Schwalm-Eder-Kreis. Dort gehören Überschwemmungen fast schon zur Gewohnheit. Die Bewohner, sagt der Ortsvorsteher, bekommen inzwischen bei jeder Gewittermeldung Angstzustände, dass sie wieder absaufen. Deshalb haben sich einige auch kleine Flutmauern vor ihre Häuser gebaut. Allein in diesem Sommer stand das nordhessische Dorf schon drei Mal unter Wasser. Auch Schlamm, der von höher gelegenen Felder abgespült wird, wälzt sich dann durch die Straßen und dringt in Keller. Beim dritten Mal konnte Schlimmeres nur verhindert werden, weil einige Bürger mitten im Unwetter mit Mistgabeln einen Kanaleinlauf offen gehalten haben, der zu verstopfen drohte. Jetzt wird überlegt, wie man das Dorf besser vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen kann.

In manchen Regionen hat der Klimawandel allerdings auch positive Auswirkungen – zumindest für bestimmte Bereiche. Im Schwalm-Eder-Kreis zum Beispiel gibt es einen Weinberg, der nördlichste in Hessen, er gehört sogar offiziell zum Anbaugebiet Rheingau. Das Klima am Böddiger Berg war immer recht rau, windig und kalt – die Lage war nie sonderlich gut für Weinreben. Aber seit ein paar Jahren ändert sich das: Der Spätsommer wird länger, der Herbst immer milder. Das wirkt sich positiv auf den Wein aus, die Trauben haben mehr Zeit zum Reifen, wodurch der Wein am Ende besser schmeckt. Die Reife wird in Grad Öchsle gemessen – und je höher der Wert, desto besser. Vor 20 Jahren lag dieser Öchslewert bei Anfang 70, inzwischen erreichen sie Werte von 80 bis 85. Der Klimawandel sorgt also zumindest für leckeren Wein aus Nordhessen.

Autoren: Raphael Stübig (Südhessen), Anna Spieß (Mittelhessen), Michael Przibilla und Sina Philipps (Nordhessen)

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