Der leere Las Vegas Boulevard

Der Shutdown hat mittlerweile fast alle Bundesstaaten der USA erreicht. Vor allem dort, wo die Menschen ihr Geld mit Tourismus verdienen, hat sich das Straßenbild verändert. Das vielleicht krasseste Beispiel ist die Vergnügungsstadt Las Vegas in Nevada.

Gestatten: René Meinert. Dreitagebart, Kapunzenpulli, Einwohner von Las Vegas. "Ich befinde mich auf einer der berühmtesten Straßen der Welt, auf dem Las Vegas Boulevard, dem sogenannten Strip. Normalerweise sind hier am Tag 120.000 Menschen unterwegs – heute sind es Null", sagt der Deutsche in einer Videobotschaft an das ARD-Studio Los Angeles.

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René Meinert in Las Vegas
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Meinert kann ohne Probleme mitten auf der Straße in Las Vegas stehen. Der Reiseleiter beweist, dass um ihn herum nichts los ist, keine Menschen, keine Autos. Eine gespenstische Stille herrscht in der sonst so bunten, laut dröhnenden Vergnügungsstadt.

Schlösser waren nicht vorgesehen

Hier stehen einige der größten Hotels der Welt. Und während es immer von New York heißt, sie sei die Stadt, die niemals schläft, ist das für Las Vegas viel zutreffender. Das Konzept Feierabend gibt es hier nicht. Meinert deutet auf die verschlossenen Türen eines der unzähligen Casinos in der Stadt. "Da die Türen eigentlich keine Schlösser haben, weil sie 24 Stunden geöffnet sind, sieben Tage in der Woche, mussten jetzt Vorhängeschlösser angebracht werden. Auch die Roulettetische sind mittlerweile abgedeckt."

Meinert bewegt sich wie ein Pionier in Wildwest-Tagen durch die öde Casino-Landschaft. Normalerweise stehen staunende Touristen am riesigen Springbrunnen des Hotels Bellagio und holen sich ihnen Nervenkitzel bei den Achterbahnen, die in und auf den Hotels angebracht sind. Auf den großen Leinwänden und Displays der Hotels stehen doch einige Shows angekündigt, Rod Stewart zum Beispiel.

Seit zwei Wochen läuft überhaupt nichts mehr

Meinert läuft mit seinem Handy zwischen dem "MGM Grand", dem drittgrößten Hotel der Welt, und dem "New York New York" hin und her, im Hintergrund sieht man die kleine Version der Freiheitsstatue. Nur eine der großen, bunten Attraktionen von Las Vegas. "Ich hab es hier noch nie so leer gesehen: Wahnsinn, mir bleibt die Spucke weg", ist alles, was ihm zu der Szenerie einfällt.

40 Millionen Menschen reisen pro Jahr nach Las Vegas. Die Casinos mit Glücksspiel und Shows sind die wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Knapp 17 Prozent der Menschen arbeiten direkt dort – nicht eingerechnet sind andere Unternehmen, die ebenfalls von den Touristen leben: Restaurants, Klamottenläden, Autovermietungen ... Seit fast zwei Wochen läuft in Las Vegas nun gar nichts mehr.

Noch mehr Arbeitslose erwartet

Nur noch lebensnotwendige Läden wie Supermärkte oder Apotheken dürfen öffnen. "Las Vegas trifft das richtig heftig, es gibt hier sonst keine Industrie. Tesla schraubt hier keine Batterien zusammen, wir leben hier zu 90 Prozent vom Tourismus", so Meinert.

Die Krise wird vor allem die Mittelschicht und sozial Schwachen hart treffen. Las Vegas hat ohnehin mit fast 14 Prozent eine der höchsten Arbeitslosenquoten der USA. Fast 100.000 Obdachlose leben schon jetzt geschätzt in der Stadt. Nach der Coronavirus-Krise dürften es noch mehr werden.

Meinert hat vorgesorgt

Auch Meinert ist von den Einschränkungen, die die Ausgangssperre mit sich gebracht hat, unmittelbar betroffen. Er ist aus Berlin nach Las Vegas ausgewandert und betreibt dort eine deutschsprachige Agentur, die Touren vermittelt. "Von heute auf morgen: alle Touristen weg, in den nächsten zwei bis drei Monaten alle storniert. Es kommt ja keiner mehr ins Land, das beläuft sich auf ein paar zehntausend Dollar", sagt er.

Meinert ärgert sich zwar, macht sich aber nicht all zu viele Gedanken. Er habe vorgesorgt und könne auch ein paar Monate ohne Einkommen überleben, sagt er. Bis zum 17. April soll die Ausgangssperre erst einmal bleiben, was dann kommt, weiß niemand.

 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 01.04.2020, 12-15 Uhr

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