Ansgar Wucherpfennig

Ansgar Wucherpfennig darf nun doch Schuldirektor der Jesuiten Hochschule St. Georgen in Frankfurt werden. Aufgrund seines Einsatzes für Homosexuelle und Frauen in der katholischen Kirche hatte er zunächst seinen Job verloren.

Es ist ein besonderer Abend an der Philosophischen Hochschule der Jesuiten in München. Der CSU-Politiker Theo Waigel soll erster Ehrensenator werden und viel Prominenz aus Wissenschaft und Politik ist gekommen. In der ersten Reihe sitzt ein Mann, dessen Name den meisten im Saal erst seit wenigen Wochen ein Begriff sein dürfte: Ansgar Wucherpfennig. Er ist Theologe aus Frankfurt am Main, dessen Ernennung zum Rektor der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt der Vatikan seit Wochen blockiert hat. Dass Rom das inzwischen anders sieht, wird deutlich, als der Obere der deutschen Jesuiten Johannes Siebner das Podium betritt. „Was ich hier hochhalten kann, ist ein Dokument der Bildungskongregation. Und die Kurzzusammenfassung ist: Nihil obstat“, sagt Siebner.

Ein unbedenklicher Kandidat

„Nihil obstat“ ist der lateinische Ausdruck für eine Unbedenklichkeitserklärung. Diese hat die vatikanische Bildungskongregation in Gemeinschaft mit der Glaubenskongregation Ansgar Wucherpfennig nun endlich erteilt. Er, der bereits im Februar zum Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt gewählt worden war, kann nun endlich dieses Amt antreten.

In Interviews hatte er sich kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen und mit Frauen geäußert. So befürwortete er Segensfeiern für homosexuelle Paare, weshalb sich die vatikanische Glaubenskongregation weigerte, Wucherpfennig als Rektor der Hochschule zu bestätigen. Daraufhin gab es massive Kritik in weiten Teilen von Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft. Laut einer Mitteilung des Jesuitenordens hat Wucherpfennig eine Erklärung abgegeben, in der er bestätigte, dem Lehramt der Kirche treu zu sein. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk bestreitet der Theologe, dass er dafür seine Äußerungen über homosexuelle Paare zurücknehmen musste. „Ich soll, wie es im wissenschaftlichen Betrieb üblich ist, das authentische Lehramt korrekt und fair wiedergeben. Gleichzeitig darf ich als Christ und Forscher meine eigene Meinung sagen, so wie es jeder Christ tun kann“, meint Wucherpfennig.

Freie Meinung auch in der Kirche

An seiner Position will Wucherpfennig also festhalten. Papst Franziskus hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt über homosexuelle Paare gesagt: Wer bin ich, über sie zu urteilen? „Ich glaube, dass es der Kirche gut ansteht, in diese Richtung weiterzudenken“, denkt der Schuldirektor, „anzuerkennen, dass auch in schwulen und lesbischen Beziehungen etwas Gutes sein kann, das gesegnet werden kann.“

Der Jesuitenorden hat Ansgar Wucherpfennig immer den Rücken gestärkt und sich in Rom für den Theologen eingesetzt. Offenbar mit Erfolg. Der deutsche Ordensobere Johannes Siebner will nun kritisch prüfen, wie es zu der Hängepartie kommen konnte. "Ich möchte das Verfahren eines Nihil obstat gar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Ob das so richtig ist und ob das so laufen muss, da habe ich keine Fragen. Aber möchte das Verfahren eines Nihil obstat gar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Ob das so richtig ist und ob das so laufen muss, da habe ich meine Fragen. Aber ich will jetzt auch kein ganz großes Thema draus machen. Ich bin froh, dass der gewählte Rektor auch der ernannte Rektor ist“, erklärt der Ordensobere.  

Seit Mitte Oktober läuft an der Jesuitenhochschule in Frankfurt das Semester. Ansgar Wucherpfennig ist froh, dass er endlich in den Hörsaal und an seinen Schreibtisch zurückkehren darf. 

Sendung: hr-iNFO Themen, 16.11.2018, 16:10 Uhr

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