Kenia, Kimana: Massai-Männer verkaufen Schafe auf einem Tiermarkt.

Unsere Korrespondentin war jahrelang problemlos Vegetarierin - bis sie nach Kenia kam. Eine fleischlose Ernährung gilt dort zweifelsfrei als Spleen. Besonders schwierig wird das auf Dienstreisen im Busch.

Ich bin in Deutschland in einer Gegend aufgewachsen, die manche als "Fettfleck" bezeichnen. Der wenig schmeichelhafte Spitzname bezieht sich darauf, dass es in meiner Heimat eine hohe Dichte an Schlachthöfen gibt. Wenn die Tiertransporter während des Mittagessens an unserem Haus vorbeirumpelten, konnte einem schon mal das Würstchen im Halse stecken bleiben und irgendwann beschloss ich darum, künftig kein Fleisch mehr zu essen.

Ein Spleen unter "Expats"

Problemlos war ich über viele Jahre Vegetarierin – bis ich nach Kenia kam. Eine fleischlose Ernährung ist hier eindeutig ein Spleen, der vor allem mit den sogenannten Expats, also den zeitweise im Land lebenden Ausländern wie mir, in Verbindung gebracht wird. Die Kenianerinnen und Kenianer lieben ihr "Nyama Choma", auf Deutsch Grillfleisch. In der Hauptstadt Nairobi wird es überall an Straßenständen verkauft. Nach dem Essen lehnen sich alle zufrieden zurück, puhlen sich mit einem Zahnstocher die letzten zähen Reste aus dem Gebiss und schauen mitleidig auf meinen Teller, auf dem sich meist nur ein paar Fladen und Gemüse befinden. Ob ich wenigstens Hühnchen essen würde, werde ich dann oft gefragt – die gelten in Kenia offenbar als laufendes Gemüse.

Antje Diekhans

Trotz allem komme ich in Nairobi aber wunderbar als Vegetarierin zurecht. Schließlich gibt es zig Restaurants, die auf verrückte Expats wie mich eingestellt sind und eine große Auswahl in den Supermärkten, samt Sojawürstchen und Tofu. Nur auf Dienstreisen wird es schwierig. Je abgelegener die Region, in die ich fahre, desto eingeschränkter der Speisezettel. Und so kam es, dass ich mit knurrendem Magen mitten im Busch bei den Massai saß und es nichts zu essen gab – außer der Ziege, die extra mir zu Ehren geschlachtet worden war.

Die Grenzen der Höflichkeit

Das Fleisch abzulehnen wäre ein unglaublicher Affront gewesen. Nebenbei war ich wirklich sehr hungrig und so kam es, dass ich beherzt nach einem Knochen griff und daran nagte. Nur das direkt von der Ziege abgezapfte Blut wollte ich dann doch nicht trinken, aber das konnten die Massai verstehen. Das würde es in Deutschland wohl nicht geben, meinten sie. Und wunderten sich dann, als ich von westfälischem Blutgemüse mit Backpflaumen erzählte. Das klingt in den Ohren von Maasai wohl fast so absurd wie Sojawürstchen.

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