Ein Mundschutz in der Farbe der deutschen Fahne.

Vor genau einem halben Jahr wurde der erste Corona-Fall in Deutschland offiziell bestätigt. Wie hat das Krisenmanagement seitdem funktioniert? Eine Zwischenbilanz.

Die Deutschen waren lange nicht so zufrieden mit ihrer Bundesregierung wie zurzeit. Weil die sich um das Problem gekümmert hat, das alle beschäftigt: die Corona-Pandemie. "Wir können festellen, dass die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement recht groß ist von Anfang an", sagt Manfred Güllner vom Meinungsforschungsinstitut forsa. Das habe sich bis heute auch nicht geändert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt das Lob gleich zurück: "Wir haben unser Land bis hierhin gemeinsam gut durch diese Krise geführt. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen großen Anteil daran." Denn sie hätten sich weitgehend an die Einschränkungen gehalten.

Mängel beim Schutzmaterial

Wenn auch das Krisenmanagement insgesamt gut lief, Stolpersteine gab es doch. Der erste war das Schutzmaterial: Masken, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung - das fehlte plötzlich überall. "Die Länder haben schlichtweg nicht vorgesorgt, zumindest nicht für eine Pandemie in der Art und Weise", sagt Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Es gab also kaum Vorräte. Das Bundesgesundheitsministerium ging auf Einkaufstour, die Verteilung vor Ort dauerte zum Teil. Dann kamen endlich Schutzmasken an, aber: etwa 20 Prozent davon mangelhaft. Deshalb fordert Susanne Johna vom Ärzteverband Marburger Bund, das schnellstens auszusortieren – die Bundesländer müssten informieren, der TÜV prüfen und die Kliniken und Praxen ihre Lager durchforsten: "denn was natürlich nicht passieren darf, ist, dass wir in einer zweiten Welle fehlerhaftes Material für unser Personal im Krankenhaus einsetzen oder auch die niedergelassenen Kollegen, die dann nicht ausreichend geschützt wären."

Fehlendes Personal in Gesundheitsämtern

Der zweite Stolperstein waren die Gesundheitsämter. Die sollten Infektionsketten verfolgen, um sie rechtzeitig zu unterbrechen. Quarantäne anordnen, Kontaktpersonen informieren, Tests organisieren. Nicht überall gelang das sofort, weil Personal fehlte. "Da ist sicher spät reagiert worden, wenn auch reagiert wurde", sagt Johna vom Marburger Bund, der auch die Gesundheitsämter vertritt. "Allerdings ist die personelle Aufstockung nicht in allen Gesundheitsämtern gleichermaßen angekommen. Insofern brauchen wir eine dauerhafte Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes.“

Allein hätte der es nicht geschafft, ist auch Andreas Gassen überzeugt. Dass es dennoch zu keiner Überforderung gekommen sei, liege daran, "dass wir anders als viele anderen Länder tatsächlich ein sehr breit aufgestelltes ambulantes System haben, mit Haus- und Fachärzten, die wohnortnah Patienten versorgen, diese auch kennen – und dass alle unsere Bürger Zugang zum Gesundheitssystem haben". Hausarztpraxen, Krankenhäuser und Gesundheitsämter hätten gut zusammengearbeitet und etwa extra Anlaufstellen für Corona-Verdachtsfälle geschaffen.

RKI: täglich Neues über ein unbekanntes Virus

Der dritte Stolperstein lag beim Robert-Koch-Institut (RKI) als Behörde, die koordiniert, forscht und informiert – und selbst täglich Neues über ein unbekanntes Virus in einer so nie dagewesenen Pandemie lernen musste. So war das RKI erst gegen, dann für eine Maskenpflicht. Und Präsident Lothar Wieler verspricht: "Wir verbessern uns jeden Tag und das werden wir auch die nächsten Monate noch machen, so lange es diese Krise geben wird in diesem Land."

Und in den letzten Monaten konnten alle Beteiligten viel lernen: bei Infektionsherden schneller und lokaler einzugreifen, Vorräte anzulegen, das Gesundheitssystem nicht nur auf Sparsamkeit zu trimmen. All das könnte bei einer zweiten Welle wichtig sein, um sie – wie Gesundheitsminister Spahn hofft - zu brechen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.7.2020, 9 bis 12 Uhr

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