Schüler vor den Weihnachtsferien

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat den Plan geäußert, die Weihnachtsferien wegen Corona vorziehen zu wollen. Doch die Kritik am Plan wächst und kaum ein anderes Land will nachziehen.

Das Weihnachtsfest vor Corona zu retten, darauf zielt der Vorstoß ab. Und zunächst einmal klingt das alles sehr schlüssig. Gehen die Jüngeren früher in die Ferien, schützt das die Älteren. Ein paar Tage ohne Kontakte vergehen, bis man sich dann mit Oma und Opa vor dem Weihnachtsbaum versammelt. Die Schüler freuen sich über XL-Ferien, die Familie über verringerte Infektionsgefahr. Gute Idee, oder?

"Nein, nicht wirklich. Die Bezeichnung 'Schnellschuss' trifft es ganz gut", kritisiert die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen, Maike Finnern, im WDR Fernsehen. "Es sind viele Dinge überhaupt nicht bedacht worden", sagt Finnern.

Zum Beispiel fragen sich nun viele berufstätige Eltern und gerade Alleinerziehende, wer denn dann an den extra Ferientagen auf die Kinder aufpassen soll. Keine Sorge, es würde eine Notbetreuung eingerichtet, verspricht die Ministerin für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen, Yvonne Gebauer, im WDR.

Die Schulen im Lichtkegel der Aufmerksamkeit

Wobei eine Notbetreuung dann ja doch wieder mehr Kontakte bedeute, die man ja gerade vermeiden wollte, bemerken Kritiker. Zahlreiche andere Bundesländer jedenfalls - Sachsen, Niedersachsen, Bremen - ließen durchblicken, dass sie von längeren Weihnachtsferien nicht viel halten. Jens Spahn hingegen ist für die Idee durchaus offen, auch wenn jedes Land das für sich je nach Infektionsgeschehen entscheiden müsse, so der Bundesgesundheitsminister im RBB-Inforadio. "Ich finde das aber einen pragmatischen Ansatz, der sicherlich auch eine Rolle spielen wird in den Diskussionen der nächsten Tage."

Am Montag wollen die Kanzlerin und die Länderchefs erneut über die vor zwei Wochen beschlossenen Anti-Corona-Maßnahmen beraten. Ferienverlängerung hin oder her. Zweifelsohne sind die Schulen nun wieder in den Lichtkegel der Aufmerksamkeit gerückt, weil auch hier zuletzt immer mehr Corona-Ausbrüche gemeldet wurden.

Geöffnete Fenster gegen eine Schließung der Schulen

"Natürlich ist es auch so, dass das Geschehen in die Schulen getragen wird und auch aus den Schulen rausgetragen wird", stellt der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, klar. Er ruft deshalb auch alle Lehreinrichtungen dazu auf, ihre Hygienepläne streng durchzuziehen. "Es gibt ja auch immer wieder Versuche, zum Beispiel das Maskentragen in Zusammenhang zu bringen mit einer geringeren Sauerstoffversorgung. Da haben sich die Ärzteschaft und Fachleute sehr eindeutig geäußert, dass dies nicht der Fall ist. Es gibt doch immer wieder Begründungen, dass Masken vielleicht dazu beitragen, dass Menschen psychisch belastet werden. Da gibt es bei Kindern ebenfalls keinerlei Hinweis bislang", sagt Wieler.

Mit geöffneten Fenstern einer Schließung der Schulen entgegenwirken - so lautet das Motto dieser Tage. Während bei Restaurants, Bars, Fitnessstudios zuletzt die Rollläden herunter gehen mussten, geht der Schulbetrieb grundsätzlich weiter. Denn eins hat die Politik versprochen zu vermeiden: Dass berufstätige Eltern wie im Frühjahr mit ihren Kindern wochenlang zu Hause sitzen, ohne den geringsten Anhaltspunkt zu haben, wann Kitas und Schulen wieder öffnen können.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 13.11.2020, 12-15 Uhr

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