Lefteris Arapakis hält ein Fischernetz aus Plastik hoch.

Lefteris Arapakis will das Mittelmeer vom Plastikmüll befreien. Dafür hat sich der junge Grieche mit einigen Fischern und Sponsoren zusammengetan. Und sein Plan geht auf. Nun wurde Arapakis sogar von den Vereinten Nationen ausgezeichnet.

Der Fischkutter Nikólaos läuft im Hafen von Keratsini bei Athen ein. Vorne an Deck sortieren die Fischer die frisch gefangenen Calamari und Meerbrassen. Hinten an Deck türmt sich der Plastikmüll, den die Fischer als Beifang in ihrem Netz hatten. Hatten Sie mehr Fisch oder mehr Plastik?

"Plastik", antwortet Kapitän Panagiotis Diakákis. "Flaschen, Tüten, alte Fisch-Netze – alles, was Du Dir vorstellen kannst", sagt er. Sogar ein vier Meter langes Plastik-Boot hatten sie in ihrem Netz. Jetzt lehnt es, von Muscheln überzogen, an der Reling des Kutters. 

Weggeworfene Fischer-Netze töten

Früher hätten die Fischer solchen Plastik-Beifang gleich wieder zurück ins Meer geworfen. Jetzt aber liefert Kapitän Diakákis den Plastikmüll beim Jung-Unternehmer und Umweltschützer Lefteris Arapakis ab – dem Kämpfer für ein plastikfreies Mittelmeer. Der 26-Jährige hat schon viel erreicht: "Wir sind in elf Häfen aktiv. Wir arbeiten mit 145 Booten zusammen, auf denen insgesamt 750 Fischer arbeiten", sagt Arapakis.

Und die holen Monat für Monat etwa zwölf Tonnen Plastikmüll aus dem Mittelmeer. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sagt Lefteris Arapakis. Das rettet Tieren das Leben. Denn vor allem abgerissene oder weggeworfene Fischer-Netze töten. "Fischernetze sind aus dem hochwertigsten Plastik hergestellt. Die halten 600 Jahre lang. Und so lange töten diese Netze", sagt Arapakis.

Kleidung, Masken und Möbel aus Plastik

Weil sich Fische darin verfangen oder Meeressäugetiere wie Wale oder Delfine oder auch Meeresschildkröten. "Wir wissen nicht, wie viele Tiere in solchen Netzen sterben, aber es sind hunderttausende Meeressäuger in jedem Jahr", sagt er. Die Fischer bekommen fürs Sammeln von Plastikmüll etwas Geld und zeigen damit, dass sie Teil der Lösung sein wollen und eben nicht Teil des Problems, sagt Arapakis. Recycling-Firmen machen aus alten Fischernetzen ganz neue Produkte.

"Socken, Badehosen, die Atemschutzmaske, die ich gerade trage, Möbel" – Arapakis staunt selbst, was man alles aus Plastikmüll herstellen kann. Allerdings: Kostendeckend ist Plastikmüll-Recycling nicht. Deshalb klopft Lefteris Arapakis bei möglichen Sponsoren an: bei Stiftungen oder bei multinationalen Konzernen – mit Erfolg. Dem Nestle-Konzern zum Beispiel ist ein plastikfreies Mittelmeer auch etwas Geld wert.

UNO-Umweltpreis fpr Arapakis

Arapakis ist sicher: das Geld ist gut angelegt. "Wenn wir nichts tun würden, dann wäre es im gesamten Mittelmeer bald so wie an Bord des Kutters von Kapitän Diakákis: Im Jahr 2050 wäre mehr Plastik als Fisch im Meer", sagt er. Das aber will Arapakis verhindern und kämpft für ein plastikfreies Mittelmeer. Viele trauen ihm zu, dass er das schafft. Auch die Experten vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Deshalb haben sie Lefteris Arapakis aus Athen mit dem UNO-Umwelt-Preis ausgezeichnet als "Young Champion of the Earth" – als junger Champion für unsere Erde.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 15.12.20, 12-15 Uhr

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