Roboter Pepper bei der Messe Altempflege in Hannover
Pepper unterwegs auf einer Messe in Hannover. Roboter wie er könnten unter anderem bald in Pflegeheimen zum Einsatz kommen und Bewohner unterhalten oder zu Bewegungsübungen anleiten. Bild © picture-alliance/dpa

Mit Sprachassistenten wie Alexa, Cortana oder Siri erobert die künstliche Intelligenz gerade unsere Wohnzimmer. Längst gibt es Aufgaben, die solche Maschinen besser erledigen können als der Mensch. Aber sind sie deshalb tatsächlich „intelligent“? Und wie groß ist die Gefahr, dass wir eines Tages die Kontrolle über sie verlieren?

Eine Szene an der Uni. Studenten sitzen in Reihen im Hörsaal. Hören zu. Machen sich Notizen. Doch der, der da vorne spricht, ist kein Professor. Es ist eine Maschine, ein Roboter. Eine künstliche Intelligenz, die vollkommen selbstständig agiert und Wissen vermittelt. Zukunftsmusik, denken Sie? Sicherlich. Aber eine Zukunft, an der bereits ernsthaft geforscht wird. An der Uni Marburg zum Beispiel, am Institut für Anglistik. Hier arbeitet Professor Jürgen Handke mit seinem Roboter Pepper.

Pepper ist weiß, circa 1,20 Meter groß, wiegt knapp 30 Kilo und hat 20.000 Euro gekostet. Eine künstliche Intelligenz verbaut im Körper eines Roboters, der sich auf Rollen vorwärts bewegen kann. Sein Kopf hat zwei große Augen, die je nach Situation in unterschiedlichen Farben leuchten und die ihn ziemlich niedlich erscheinen lassen. Sehen kann Pepper mit ihnen aber nicht. Seine zwei HD-Kameras sind woanders versteckt.

Roboter Pepper mit Professor Jürgen Handke und hr-iNFO-Redakteur Henning Steiner
Roboter Pepper mit Professor Jürgen Handke (links) und hr-iNFO-Redakteur Henning Steiner Bild © hr

"In zehn Jahren geht er in den Hörsaal und legt los"

Pepper wurde in Japan und Frankreich entwickelt. In Marburg testet ein Team um Jürgen Handke, ob und wie er sich als Assistent in der universitären Lehre eignet. Noch kann Pepper nicht alleine in den Hörsaal rollen und selbstständig eine Veranstaltung leiten. Aber: Wenn Jürgen Handke ihn einmal in den Hörsaal gebracht und ein Programm - eine App - gestartet hat, kann Pepper bereits heute den Studierenden Aufgaben aus einer Datenbank stellen. Er kann auch Tipps geben oder den Studierenden sagen, wie viel Zeit ihnen noch zur Lösung der Aufgabe bleibt.

Von echter Eigenständigkeit, von Intelligenz im Sinne des Menschen, ist Pepper damit aber noch weit entfernt. Eine Hilfe ist er Professor Handke trotzdem. "Der Gewinn ist der enorme Freiraum, den ich jetzt habe als Lehrender." Denn während Pepper vorne im Hörsaal die Aufgaben stellt, kann sich Handke direkt zu den Studierenden setzen. Kann ihnen Hilfestellung geben oder Lösungswege beraten. Er könne sich also viel besser den Studierenden widmen, sagt Handke. 

Der Professor für Anglistik ist überzeugt, dass sich die Lehre wandeln muss. Weil die klassische Vorlesung im Zeitalter von Internet, Smartphone und Tablet nicht mehr zeitgemäß ist. Und künstliche Intelligenz kann dabei helfen. Die Arbeit an und mit Pepper ist für ihn nur ein erster Schritt. "In zehn Jahren ist das kein Aufwand mehr. Dann geht er in den Hörsaal und legt los. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das so klappen wird."

Die Angst vor denkenden Maschinen

Beim Gedanke, dass in der Wirtschaft und an Universitäten versucht  wird, Maschinen wie Pepper mit so etwas wie Intelligenz auszustatten, ist vielen nicht wohl. Denn was wäre, wenn wir uns ungewollt ein mächtiges Gegenüber erschaffen? Eines, über das wir eines Tages die Kontrolle verlieren könnten – wie in düsteren Science-Fiction-Phantasien wie  "2001 – Odyssee im Weltraum", wie "Matrix", "Terminator" oder "Blade Runner"? Müssen wir Angst haben vor vermeintlich denkenden Maschinen?

"Nein, müssen wir nicht", lautet die Antwort von Professor Peter Buxmann. Der Wirtschaftsinformatiker der TU Darmstadt beschäftigt sich intensiv mit künstlicher Intelligenz. Und er ist überzeugt, dass wir keine Sorge haben müssen, dass ein Computer oder Roboter so etwas wie ein Eigenleben entwickelt könnte. "Ich denke, dass diese subtile Angst, dass da mal irgendwie so ein Algorithmus Bewusstsein bekommen könnte und versucht, der Menschheit den Krieg zu erklären, dass der doch extrem weit weg ist."

Der Algorithmus freut sich nicht

Ein Algorithmus ist, vereinfacht gesagt, so etwas wie ein Wegweiser für einen Computer. Algorithmen bestimmen, wie die Maschine bei der Lösung einer Aufgabe vorgehen muss. Schritt für Schritt für Schritt. Jede künstliche Intelligenz beruht auf solchen Algorithmen. Das bedeutet aber auch, dass eine Maschine nur solche Aufgaben erledigen kann, für die sie mit Hilfe ihrer speziellen Algorithmen programmiert wurde. Eine künstliche Intelligenz, die einen Schach-Weltmeister schlägt, kann deshalb noch lange nicht Mühle spielen oder Bilddateien nach bestimmten Inhalten durchsuchen. Jeder Algorithmus macht die Maschine erst einmal zu so etwas wie einem Fachidioten.

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"Künstliche Intelligenz ist im Grunde genommen ein Algorithmus, der eine bestimmte spezifische Aufgabe auf der Basis von Daten möglicherweise gut lösen kann, möglicherweise besser als Menschen das können, und der dabei lernt", sagt Peter Buxmann. Aber anders als der Mensch kann der Algorithmus seine Fähigkeiten eben nicht selbstständig um ganz andere Aufgaben erweitern. Und auch mit eigenem Bewusstsein hat das nichts zu tun: "Es ist nicht dieses Bewusstsein, dass sich der Algorithmus freut, wenn er jetzt seinen menschlichen Gegner beim Schachspiel geschlagen hat."

Eine Wette auf die Zukunft

Martin Steinebach
Martin Steinebach Bild © Frauenhofer SIT

Das ist einer der Gründe, warum Forscher wie Professor Martin Steinebach den Begriff "Künstliche Intelligenz" lieber vermeiden. Steinebach arbeitet in Darmstadt am Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie (SIT) und spricht stattdessen von "maschinellem Lernen". "Ich hab das Gefühl, dass bei der künstlichen Intelligenz immer diese Verheißung gesehen wird, dass die Computer wirklich denken können, dass wirklich Intelligenz entsteht", sagt er. Und davon seien alle bisherigen Entwicklungen noch weit, weit entfernt. Und das, obwohl die Forschung im Bereich künstliche Intelligenz in den vergangenen Jahren viel größere Fortschritte gemacht hat als erwartet.

Daher treibt Wissenschaftler wie Peter Buxmann eine ganz andere Sorge um. Nämlich die, dass Deutschland und Europa bei der Entwicklung der neuen Technologie den Anschluss verpassen. Denn führend im Bereich der KI-Forschung sind die großen Player aus den USA und China. Konzerne wie Google, Facebook, Amazon, Microsoft, IBM, Baidu, Tencent oder Alibaba. Peter Buxmann nennt es eine "Wette auf die Zukunft." Denn Geld verdienen die Konzerne mit der künstlichen Intelligenz heute noch nicht. Das soll später kommen. "Die haben genug Geld", sagt Buxmann. "Die haben eine ordentlich gefüllte Kriegskasse. Und die setzen darauf, dass die Zukunft im Bereich künstliche Intelligenz liegt."

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Sendung: hr-iNFO, 10.3., 17:35 Uhr

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