Amerikanische Genetiker und Anthropologen nehmen gerade einen neuen Anlauf, sie fordern, nicht mehr von "Rassen" zu sprechen, wenn es um die Biologie des Menschen geht. Und verlangen im Fachblatt "Science" eine gemeinsame Aktion der amerikanischen Akademien dazu.

Die Paläoanthropologin Nina Jablonski forscht und lehrt an der Pennsylvania State University. Ihr großes Forschungsthema ist die Evolution der Hautfarben. Sie sagt, in der westlichen Welt habe man sich, angeregt von dem Philosophen Immanuel Kant, eine Hierarchie der Hautfarben erdacht. Im Beitrag von Karl-Heinz Wellmann erzählt sie: "Wir haben danach viele von Kants Annahmen in unser kulturelles Verhalten übernommen, auch in der Weise, wie Regierungen heute noch handeln. Ich sehe das so: Das ist ein geistiges Konstrukt, das von Menschen gemacht wurde, es wurde von falsch informierten Leuten erdacht. Und wir können das ändern. Durch Information und Erziehung."

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Lesetipp

Nina Jablonski: "Rasse"
In: "Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand? Die führenden Köpfe unserer Zeit über Ideen, die uns am Fortschritt hindern" Herausgegeben von John Brockman
640 Seiten, 13,99 Euro
ISBN 978-3596033959
Fischer Taschenbuch, Januar 2016

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Auch Professor Volker Mosbrugger plädiert dafür, nicht mehr von Menschenrassen zu sprechen. Er ist der Generaldirektor der Senckenberg –Gesellschaft für Naturforschung, deren großes Thema die Erforschung der Biodiversität ist. Im Gespräch mit Regina Oehler erzählt Volker Mosbrugger, warum es am Fundament der biologischen Systematik bröselt und wir es in der belebten Natur immer mit "Work in progress" voller überraschender Querverbindungen und Vernetzungen zu tun haben. Und warum wir gerade dabei sind, diesen Reichtum zu verspielen.

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