In den Konzentrationslagern kennzeichneten die Nationalsozialisten sie mit schwarzen und grünen Stoffwinkeln, die sie an der Häftlingskleidung tragen mussten. Mehr als 70.000 Menschen wurden als "Asoziale" oder "Berufsverbrecher" stigmatisiert und von 1933 an systematisch entrechtet und verfolgt.

Die Überlebenden sind nie als Opfer des nationalsozialistischen Willkürsystems anerkannt worden, Entschädigung haben sie nie erhalten. Viele hatten das Verdikt der Nationalsozialisten verinnerlicht, schämten sich wegen ihrer Zeit im KZ, sahen sich selber als "Ballastexistenzen". Auch die Forschung hat diese Opfergruppe lange ignoriert.

Ernst Nonnenmacher, der im KZ Flossenbürg und dann im KZ Sachsenhausen den grünen Winkel tragen musste, der ihn als "Berufsverbrecher" kennzeichnen sollte, war einer der ganz wenigen Zeitzeugen. Er hatte gerade eine Gefängnisstrafe verbüßt und endlich eine Arbeitsstelle gefunden, als ihn die Gestapo verhaftete. Darüber hat er lange geschwiegen, dann aber in den 1980er Jahren seinem Neffen davon erzählt.

Frank Nonnenmacher, der bis zu seiner Emeritierung an der Goethe-Universität Frankfurt lehrte, hat die Erinnerungen seines Onkels auf Band aufgezeichnet und der Forschung zur Verfügung gestellt. Er kämpft dafür, dass die "Grünwinkligen" und die "Schwarzwinkligen" endlich als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt werden. Frank Nonnenmacher konnte immerhin erreichen, dass sich jetzt der Bundestag damit befasst.

Weitere Informationen

Literatur

  • Dagmar Lieske: Unbequeme Opfer? "Berufsverbrecher" als Häftlinge im KZ Sachsenhausen. Metropol Berlin, 2016.
  • Frank Nonnenmacher: Du hattest es besser als ich. Zwei Brüder im 20. Jahrhundert. VAS Bad Homburg, 2014.
  • Sylvia Köchl: Das Bedürfnis nach gerechter Sühne. Wege von "Berufsverbrecherinnen" in das Konzentrationslager Ravensbrück. Mandelbaum Verlag Wien, 2016.
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