Es ist eine Lücke in der Geschichtsforschung über die Nachkriegszeit. Warum unterstützten die Bundesregierungen verurteilte und inhaftierte NS-Täter über 40 Jahre?

Nach außen demonstrierten die Regierungen seit Adenauer Distanz zum Nationalsozialismus, um die junge Bundesrepublik politisch wieder salonfähig zu machen. Nach innen aber entsprach man dem Druck mächtiger Veteranen-Verbände. Konrad Adenauer agierte offen für inhaftierte NS-Täter, das brachte ihm Wählerstimmen. Die SPD, während der NS-Zeit selbst verfolgt, plädierte für die Amnestierung von Kriegsverbrechern, um ihren Status als Volkspartei bemüht. Selbst Willy Brandt, Kanzler von „Mehr Demokratie wagen“ wollte einen symbolischen Schlussstrich unter die Verbrechen des Dritten Reiches ziehen.

Die Parteien ordneten sich damit der Stimmung der Mehrheitsge­sellschaft unter, die NS-Täter zu „Opfern der alliierten Siegerjustiz“ stilisierte.

Michaela Wunderle wirft einen erhellenden Blick in die Vergangenheitspolitik der Bundesrepublik. Sie hat dafür mit Peter Brandt, Historiker und Sohn von Willy Brandt und Eva Lettermann, der Großnichte eines NS-Täters, gesprochen. Zu Wort kommt aber vor allem der Historiker Felix Bohr, dessen Studie „Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte Täter“ das Thema der Öffentlichkeit erstmals zugänglich macht.

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Kriegsverbrecherlobby

Literatur zum Thema

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  • Felix Bohr: Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter, Berlin 2018
  • Norbert Frei: 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen, München 2005
  • Peter Brandt: Mit anderen Augen. Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt, Bonn 2013
  • Eva Lettermann: Täterhandeln im Nationalsozialismus. Ein Unterrichtsmodell zum historischen Lernen über die Shoah. Geschichtsdidaktik diskursiv-Public History und Historisches Denken. Berlin, Bern u.a. 2018
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Lobby für Kriegsverbrecher? Der Umgang mit NS-Tätern nach 1945

Manuskript zur Sendung

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