Es ist eine Lücke in der Geschichtsforschung über die Nachkriegszeit. Warum unterstützten die Bundesregierungen verurteilte und inhaftierte NS-Täter über 40 Jahre?

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Zum Artikel Lobby für Kriegsverbrecher? Der Umgang mit NS-Tätern nach 1945

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Nach außen demonstrierten die Regierungen seit Adenauer Distanz zum Nationalsozialismus, um die junge Bundesrepublik politisch wieder salonfähig zu machen. Nach innen aber entsprach man dem Druck mächtiger Veteranen-Verbände. Konrad Adenauer agierte offen für inhaftierte NS-Täter, das brachte ihm Wählerstimmen.
Die SPD, während der NS-Zeit selbst verfolgt, plädierte für die Amnestierung von Kriegsverbrechern, um ihren Status als Volkspartei bemüht. Auch Willy Brandt, Kanzler von „Mehr Demokratie wagen“ wollte einen symbolischen Schlussstrich unter die Verbrechen des Dritten Reiches ziehen.

Die Parteien ordneten sich damit der Stimmung der Mehrheitsgesellschaft unter, die NS-Täter zu „Opfern der alliierten Siegerjustiz“ stilisierte.

Michaela Wunderle wirft einen erhellenden Blick in die Vergangenheitspolitik der Bundesrepublik. Sie hat dafür mit Peter Brandt, Historiker und Sohn von Willy Brandt und Eva Lettermann, der Großnichte eines NS-Täters, gesprochen. Zu Wort kommt aber vor allem der Historiker Felix Bohr, dessen Studie „Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte Täter“ das Thema der Öffentlichkeit erstmals zugänglich macht.

Diese Sendung ist eine Wiederholung vom 7./8. September 2019

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