Sonneblumen

Mittelständler investieren in Energieeffizienz, Aktienanalysten schauen auf die Klimabilanz von Unternehmen und die EU entwickelt Instrumente für eine grünere Wirtschaft: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind längst angekommen in der Wirtschaftsrealität. Das zeigt auch das Beispiel der Blechwarenfabrik Limburg.

Die Blechwarenfabrik Limburg mit ihren gut 300 Mitarbeitern stellt Blechdosen her. Zu den Kunden gehören kleine Firmen, aber auch große Konzerne wie BASF oder Brillux. Geschäftsführerin Annika Trappmann ist seit 2014 im Unternehmen. In den letzten sechs Jahren, sagt sie, haben sich die Bedürfnisse, mit denen sich die Kunden melden, spürbar geändert: "Die Anfragen ändern sich dahingehend, dass die Konzerne einfach gewisse Daten erfassen müssen, das sind Nachhaltigkeitsberichte, das sind CO2-Ausschüsse von den Produkten", so Trappmann.

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Zum Artikel Wissenswert: Unternehmensziel Nachhaltigkeit

Annika und Hugo Trappmann von der Blechwarenfabrik Limburg, Träger des diesjährigen Deutschen Umweltpreises
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Für Annika Trappmann und ihren Bruder Hugo, die das Unternehmen gemeinsam führen, ist das eine gute Entwicklung. Die beiden haben in den letzten Jahren im großen Stil in die Digitalisierung ihrer Produktion und in Energieeffizienz investiert. Jede ihrer Blechdosen ist jetzt also deutlich grüner produziert – und das macht sich eben auch gut in den Nachhaltigkeitsbilanzen der Kunden.

Auch in Bankentürmen schaut man auf Nachhaltigkeit

In den Frankfurter Bankentürmen schaut man ebenfalls zunehmend auf Nachhaltigkeits-Kennzahlen. Allein das Nachhaltigkeits-Analyse-Team der Sparkassen-Tochter Deka Investment ist in den vergangenen Jahren auf zehn Leute angewachsen. Vanessa Golz gehört dazu. Sie scannt Konzerne weltweit daraufhin ab, wie sie etwa in puncto Klima,  aber auch beim Thema Arbeitsschutz abschneiden. Sie ruft die großen Sportartikelhersteller auf ihrem Bildschirm auf: "Wir sehen hier zum Beispiel, dass Adidas bei den sozialen Kriterien nur bei fünf liegt, aber zum Beispiel beim Umweltkriterium bei acht."

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mex. das marktmagazin

In der Sendung "mex. das marktmagazin" geht es ebenfalls um das Thema nachhaltige Wirtschaft.
Sendedatum: 18.11., 20:15 Uhr, hr-fernsehen

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Sogenannte institutionelle Anleger wie Fonds und Versicherungen legen ihr Geld zunehmend grün an. Und bei den Privatanlegern wird die nachhaltige Geldanlage ab nächstem Frühjahr noch mehr ein Thema werden, prophezeit Ingo Speich, Chef von Vanessa Golz bei Deka Investment: "In jedem Beratungsgespräch bei einer Bank oder Sparkasse muss ab März nächsten Jahres spätestens die Nachhaltigkeitspräferenz abgefragt werden." So wie also Rendite oder Risiko abgefragt würden, so werden auch gefragt, ob ein Kunde nachhaltig anlegen wolle. Das sei eine "Zeitenwende, weil jetzt das Thema die Privatkunden erobert", so Speich.

"Klima-Siegel" für Geldanlagen

Und damit wenn grün draufsteht auf einem Investment, auch grün drin ist, hat die EU-Kommission eine Art Klima-Siegel für Geldanlagen entwickelt. "Das ist so eine Art Verbraucherlabel für nachhaltige Fonds, und die EU hat dafür drei Kategorien entwickelt", erklärt ARD-Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel. Solarenergie beispielsweise falle unter Kategorie eins - also "supergrün", in Kategorie zwei fielen Projekte, in denen null Emmissionen noch nicht möglich seien - etwa die Stahlproduktion. Und wenn ein Projekt in anderen Wirtschaftszweigen helfe, nachhaltig zu sein, falle es in Kategorie drei.

Das EU-Nachhaltigkeits-Siegel für Investments ist beschlossen, wird aber erst ab übernächstem Jahr verpflichtend. Gut möglich, dass in der Blechwarenfabrik Limburg dann noch öfter das Telefon klingelt – weil die Kunden das mit der Nachhaltigkeit von den Trappmanns erklärt bekommen wollen, die übrigens gerade ausgezeichnet wurden  mit dem deutschen Umweltpreis.

Sendung: hr-iNFO Wissenswert, 21.11.2020, 11:35 Uhr

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