Was hat eine hessische Kleinstadt mit der deutschen Kolonialgeschichte zu tun? Witzenhausen in Nordhessen ist bekannt als "Kirschenstadt" und "Transition Town", die auf nachhaltige Entwicklung setzt. Viel weniger bekannt ist das koloniale Erbe von Witzenhausen: Eine unbequeme Vergangenheit, die bis in die Zeit der deutschen Kolonialgeschichte zurückreicht.

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Zum Artikel Von Hessen nach "Deutsch-Afrika": Witzenhausen und sein koloniales Erbe

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In Witzenhausen befand sich die erste deutsche Kolonialschule. Von 1898 bis 1944 wurden hier junge Männer zu Tropenlandwirten ausgebildet. Nach ihrer Ausbildung wurden die Landwirte in die deutschen Kolonien nach Afrika geschickt, um dort zu siedeln und den "deutschen Geist" zu verbreiten - notfalls auch mit Gewalt.

Heute können Studierende der Uni Kassel in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft studieren - auf dem Gelände der ehemaligen Kolonialschule, die ab 1957 als "deutsches Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft" weitergeführt wurde.

Einige Studierende haben begonnen, das Koloniale Erbe von Witzenhausen kritisch aufzuarbeiten: Von der rassistischen Herrenmenschen-Ideologie, die an der ehemaligen Kolonialschule vermittelt wurde, bis zu den Verstrickungen der damaligen Absolventen in den Völkermord an den Herero und Nama.

In Witzenhausen haben Bürgerinnen und Bürgerinnen damit begonnen, sich mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu beschäftigen. Angeregt von hr2-kultur /literaturland und vielen anderen Kooperationspartnern haben sie sich in Workshops mit dem kolonialen Erbe ihrer Stadt auseinandergesetzt. Entstanden ist dabei eine multimediale Reportage, die viele Bilder, Stimmen und Perspektiven zeigt: "Perspektivenwechsel: Witzenhausen und sein koloniales Erbe".

Christiane Kreiner begibt sich in ihrer Wissenswert-Sendung auf einen "postkolonialen Stadtrundgang" durch Witzenhausen und erzählt von einem vergessenen Kapitel hessischer Kolonialgeschichte.

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