Je stärker der Mensch in den ländlichen Raum eingreift, desto mehr lockt es verschiedene Tiere in die Stadt. Und so tauchen dort plötzlich Arten wie Wildschweine, Biber oder Wanderfalken auf, die eigentlich nicht in die Stadt gehören, sie am Ende aber zum überraschend vielfältigen Ersatzlebensraum werden lassen.

Denn Städte bieten Schutz vor Feinden, manche Arten könnten ohne das warme städtische Mikroklima nicht bei uns leben, andere erschließen sich neue Lebensdimensionen.

In der "Stadtflucht der Landtiere" offenbaren sich beispielhaft und facettenreich die ökologischen Auswirkungen des Menschenzeitalters oder Anthropozän. Bereits im Jahr 2000 begann die Diskussion darüber, ob die Zeit, in der wir leben, diesen Namen erhalten soll. Eine Zeit, gekennzeichnet durch die beispiellose menschliche Beeinflussung von Naturräumen. Eine Zeit, in der Menschen andere Lebewesen gefährden, indem sie ihnen direkt oder indirekt ihren Lebensstil "überstülpen". Eine Zeit, in der sich tierische Lebensgewohnheiten massiv verändern, durch Lärm, zerteilte Landschaften, Freizeitaktivitäten oder Klimawandel. Für 2021 wird die finale Entscheidung über den neuen Namen erwartet.

Das hr-iNFO-Funkkolleg stellt die Frage: Muss diese Entwicklung akzeptiert oder (politisch) verhindert werden? Welche Eigenschaften muss eine Tierart haben, damit sie den Lebensraum Stadt erfolgreich besiedeln kann? Bekommt das Leben in der Stadt jedem Tier gut? Wie sieht eine tierfreundliche Stadt aus? Und verändert das Anthropozän nicht auch die Tierforschung? Schließlich sollte die ja immer auch die Umwelt des Tieres "mitdenken" - inklusive des Menschen und seiner Aktivitäten.

Den Podcast zur Sendung finden Sie hier.

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