Christine Lagarde und Mario Draghi

Noch einige formale Hürden, aber Christine Lagarde soll im November die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi antreten. Endlich kein Kauderwelsch mehr, denkt sich unsere Wirtschafts-Reporterin. Warum sie sich auf den Wechsel freut.

"Das ist jetzt hier noch mal der finale Sound-Check vom Platz des Herrn Draghi aus der EZB. Ich will auch mal ganz wichtig hier vorne rumsitzen." Wenn die Tontechniker die Mikrofone in der Europäischen Zentralbank testen erlauben sie sich den ein oder anderen lockeren Spruch kurz vor den Pressekonferenzen rund um aktuelle geldpolitische Entscheidungen.

…bis er kommt, der wichtigste Mann des Hauses Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank und manchmal ist sogar er selbst erstaunlich locker: "Wir sind eine Minute zu spät, aber die Verspätung holen wir bis zum Schluss wieder raus…" ruft der EZB-Präsident einmal den Fotografen gut gelaunt zu, als sie mit dem Knipsen gar nicht mehr aufhören wollen.

Schwurbelige Sätze von Draghi

Doch dann ist der Spaß üblicherweise bald schon wieder vorbei, wenn Draghi nämlich seine Reden hält,
sie genau Wort für Wort vom Blatt abliest. Es sind oft Reden im Notenbanker-Sprech, die Uni-Professoren nicht abstrakter hätten formulieren können, gespickt mit Wirtschafts- und Inflationsdaten, Fachbegriffen und schwurbeligen Sätzen wie diesem:

"Die Gegenprüfung der Ergebnisse der wirtschaftlichen Analyse anhand der Signale aus der monetären Analyse bestätigte, dass für eine fortgesetzte nachhaltige Annäherung der Inflation an ein Niveau von unter, aber nahe zwei Prozent auf mittlere Sicht weiterhin eine umfangreiche geldpolitische Akkommodierung erforderlich ist."

Journalisten brüten

Auf gut Deutsch: Die EZB lässt die Geldhähne weit geöffnet, um für stabile Preise in der Eurozone zu sorgen. Warum so kompliziert? Das frage ich mich als Journalistin immer wieder, vergleiche schnell noch einmal die aktuelle Rede mit der davor. Denn am Ende ähneln sie sich alle. Manchmal ist nur ein Halbsatz, eine Nuance, anders und das kann schon die Nachricht sein. Regelmäßig sieht man Journalisten über diesen Reden brüten,
bis es wieder einmal heißt:

"Und jetzt sind wir bereit für ihre Fragen", sagt Mario Draghi – und davon gibt es meist jede Menge. Zuletzt gefragt, wie der EZB-Rat auf seine Entscheidung gekommen ist, antwortet Draghi: "Lassen Sie mich die Diskussion zusammenfassen."

Lagarde erfrischend anders

Na, jetzt wird vielleicht einiges klarer, denke ich in solchen Momenten und werde oft genug enttäuscht. Wenn der EZB-Chef doch nur wieder aus seiner Rede zitiert. Das Ganze bleibt eine sperrige Angelegenheit, spricht vielleicht ein Expertenpublikum an, aber längst nicht die ganze Gesellschaft. Wie wohltuend anders wirkt da auf mich, was die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde vor kurzem vor dem Europäischen Parlament vorgetragen hat. Sie wolle die EZB-Politik den Normalbürgern verständlicher machen sagte sie und weiter:

"Aber wir müssen den Leuten auch zuhören und sie verstehen, denn eine Währung ist ein öffentliches Gut und gehört ihnen." Das lässt hoffen dass die Notenbanker aus ihren Elfenbeintürmen bald herauskommen. Auch Nicht-Experten geldpolitische Entscheidungen verstehen können, weil sie sie schließlich massiv betreffen und die Berichterstattung auch für uns Journalisten einfacher wird.

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