Bye-bye, Body Positivity? Der Heroin Chic ist zurück auf den Catwalks

Blasse Haut, dunkle Augenringe und ausgemergelte Gesichtszüge: Der Heroin Chic ist zurück auf den Laufstegen. Der Trend steht in krassem Gegensatz zur Body-Positivity-Bewegung der vergangenen Jahre, als kurvige Körper gefeiert wurden. Szenekenner sind besorgt über den Einfluss, der dieses Comeback auf Kundinnen und Kunden haben könnte.

Model Bella Hadid auf der Fashion Week in Paris 2022.
Der Hungerhaken-Chic komme mit Models wie Bella Hadid (hier auf der Fashion Week in Paris) wieder auf die Laufstege zurück, sagt Modebloggerin CeCe Olisa. Bild © picture-alliance/dpa
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Bye-bye, booty! Dünn ist in, die Liebe zu Kurven vorbei. Zumindest auf den Laufstegen der Fashion Week, warnen New Yorker Medien. Schlimmer noch, meint Modebloggerin und Plus-Size-Expertin CeCe Olisa genervt: "Wir haben in den letzten Jahren ein paar gute Schritte nach vorn gemacht, mit tollen Leuten im Rampenlicht wie Chrissy Metz. Und jetzt kommt der Heroin Chic zurück. Vielleicht bewegen wir uns jetzt wieder ein Stück zurück."

Alles, was ungesund ist

Der Heroin Chic-Trend, so die vielkritisierte Bezeichnung für den Look von allem, was ungesund aussieht: dürr und eingefallen, Augenringe, ausgehöhlte Körperstellen. Was als Hashtag in einigen sozialen Medien verboten ist, weil es Drogensucht mit Stil in Verbindung bringt, ist genau das Gegenteil von dem, was die kurvige Schönheit im eng anliegenden, pinken Strick-Zweiteiler ihren Fans Predigt: "Warte nicht auf dein Gewicht, um so zu leben, wie du willst."

Auf der Fashion Show richtet CeCe deshalb die Plus-Size-Versammlung Curvycon aus. Positives Körpergefühl und die beliebten Models höherer Größen dürften nicht wieder vom Hungerhaken-Chic verdrängt werden, sagt sie. Auch wenn er mit Trendmarken und Models wie Bella Hadid auf die Runways zurückkehrt.

67 Prozent der amerikanischen Frauen tragen Größe 46

Das sei vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass 67 Prozent der amerikanischen Frauen umgerechnet Größe 46 trügen. Doch die würden nicht auf dem Laufsteg repräsentiert, sagt eine Passantin, die sich vor den Modefenstern der Fifth Avenue auf die Fashion Week einstimmt. "Models waren immer dünn, solange ich denken kann", sagt sie. "Auf Social Media gibt es mehr Body Positivity. Aber dünne Models waren immer die Norm." Eine andere Frau fragt: "Schicken die uns eins Botschaft - dicke Leute dürfen meine Kleidung nicht tragen? Damit habe ich ein Problem."

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Die Abnehmwelle mit den Diabetes-Medikamenten hat uns um Jahre zurückgeworfen, denn sie signalisiert: Du bist nicht schön, wenn du nicht dünn bist. Zitat von Amanda Sanders, Stil-Beraterin
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Die etablierte New Yorker Stil-Beraterin und Personal Shopperin Amanda Sanders glaubt hingegen nicht an die Rückkehr des Heroin Chic-Trends. "Wenn Leute das als Heroin Chic betrachten, hat das mehr damit zu tun, dass einige in unserer Gesellschaft Diabetiker-Mittel spritzen, um sehr schnell Gewicht zu verlieren. Kim Kardashian etwa. Das hat sicherlich nichts mit dem Heroin Chic der 90er-Jahre zu tun."

Auch wenn es ihre Arbeit nicht berühre - es sei schlimm genug, sagt Imageberaterin Sanders. "Wenn du eine fülligere Frau bist, hast du keinen Zugang zu dieser Designerkleidung. Die Abnehmwelle mit den Diabetes-Medikamenten hat uns um Jahre zurückgeworfen, denn sie signalisiert: Du bist nicht schön, wenn du nicht dünn bist."

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Sendung: hr-iNFO "Aktuell", 10.2.2023, 12 bis 15 Uhr

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Quelle: hr-inforadio.de/csi