Comedian Johann König

Die brüchige Stimme ist sein Markenzeichen: Johann König ist einer der erfolgreichsten Comedians in Deutschland. Im Interview spricht er über Hühner als Haustiere, Schüchternheit und sein neues Buch "Familie macht glücklich – das muss man sich nur immer wieder sagen".

Jedes Familienmitglied von Johann König besitzt ein Huhn. Die Hühner fahren sogar mit den Königs in den Urlaub. In einer Box im Kofferraum geht es dann zum Beispiel nach Frankreich. Wieso auch nicht, so König, die Tiere sind wie Haustiere geworden. Sie hätten sogar einen gewissen therapeutischen Zweck: Da die Kinder durch Allergien bedingt keine Hunde und Katzen mehr haben konnten und in Pandemiezeiten keine weiteren sozialen Kontakte zu anderen Kindern hatten, lieh sich die Familie spontan Hühner im zweiten Lockdown. Und die sind geblieben und wahre Familienmitglieder geworden. Sie nehmen beinahe sogar einen Erziehungsauftrag wahr, denn, so König: "Wenn eines der Kinder von der Schule kommt, hüpft auch mal ein Huhn auf den Kinderschoß und das Kind beruhigt sich.“ Win, win für König, denn "dann muss ich das Kind nicht beruhigen", schmunzelt er.

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"Das Interview" mit Johann König als Podcast

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Lachen tut er eigentlich selbst gar nicht so oft: "Ich bin privat nicht lustig", erklärt er und betont: "Ich war immer schüchtern. Aber ich habe anscheinend trotzdem was, was die Leute lustig finden. Ohne dass ich meine Schüchternheit überspielen muss."

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„Ich bin privat nicht lustig.“
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König hatte nie die Absicht, Comedian zu werden. Ursprünglich hatte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert und dann noch Sport auf Lehramt studiert. Eines Abends, noch im Studium, wollte er einem Literaturcafé ein Gedicht vortragen. Er las bis zum Ende - und dann kam etwas, was er nicht erwartet hatte: "Plötzlich lachten alle." Da war er 26. König wusste bis dato gar nicht, dass er komisch sein kann. Mittlerweile denkt er: "So ein bisschen kann ich das ja."

Seine Gags entstehen zum Beispiel in der Badewanne

Aber wie kommt er eigentlich auf seine Witze? Meist beginnt es mit einem Satz, so König, und dann erzählt er sich selbst dazu eine Geschichte - sei es in der Badewanne oder in der Küche. Und wenn er anfängt, selbst darüber schmunzelt, wird die Geschichte aufgeschrieben.

Als Künstler würde sich König nicht beizeichenen. Er wundert sich oftmals immer noch, dass die Leute ihn gut finden. Der Comedian sieht sich selbst vielmehr als Humordienstleister: "Ich mach was für die Volksgesundheit. Ich bin kein Künstler, der sein ganzes Ego auf die Bühne bringt. Ich mach das einfach. Das ist kein Kunstwerk, das ich da mache."

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Buchtipp

"Familie macht glücklich – das muss man sich nur immer wieder sagen"
Von Johann König
Lübbe Life Verlag (erscheint am 27.1.23)

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Lachen hat etwas Therapeutisches

Klimawandel, Weltlage, Krieg belasten auch ihn und die ersten Auftritte nach Ausbruch des Krieges waren nicht leicht: "Es hat mir die Kehle zugeschnürt. Ich habe sogar heimlich, still und leise einmal auf der Bühne geweint." Aber er denkt auch, dass Lachen etwas Therapeutisches haben kann. "Ich bin dafür da, die Leute zwei Stunden lang abzulenken. Ich bin froh, dass ich kein Kabarettist bin, die viel Politisches mit reinbringen müssen."

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„Ich habe sogar heimlich, still und leise einmal auf der Bühne geweint.“
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Johann König ist gerade wieder mit einem Soloprogramm "Wer Pläne macht, wird ausgelacht" unterwegs, unter anderem auch in Hessen. Der Programmtitel entstand in der Zeit der Pandemie und bezieht sich darauf, dass in Zeiten von Corona immer etwas Unvorhergesehenes kommen konnte. Ansonsten spielt die Pandemie darin aber keine Rolle - die habe er in seiner letzten Tour und in seinem neuen Buch genug verarbeitet. Im Buch mit dem Titel "Familie macht glücklich - das muss man sich nur immer wieder sagen" hat König seine Erfahrungen rund um Lockdown, Homeschooling und Arbeitsverbot aufgeschrieben und die Tragik, aber zum Teil auch die Komik dieser Zeit festgehalten. Jetzt aber kehre das Leben zurück - und sowohl er selbst als auch die Leute würden im neuen Bühnenprogramm lieber nach vorne schauen. "Es scheint eine große Lust der Leute zu geben, wieder rauszugehen."

Das Schreiben ist wie ein Liebesakt

Etwas anders habe er in seinem Leben nie gemacht, sagt König und betont: "Ich bin sehr zufrieden." Sollte er aber einmal keine Lust mehr auf seinen Job haben, dann wäre er gerne Naturpädagoge und würde Stadtkinder die Natur näherbringen wollen. Das würde ihm das Gefühl geben, etwas richtig Sinnvolles zu machen. "Wobei das auch Quatsch ist", grätscht er schnell ein: "Leute zum Lachen zu bringen, ist auch mega sinnvoll. Ich meine, wie oft lacht man am Tag? Ich lache sehr selten. Wenn da jemand ist, der mich auf jeden Fall zum Lachen bringt, dann ist das ein Geschenk für beide Seiten."

Für ihn sei das Schreiben wie ein Liebesakt. "Ich schreibe ja allein. Und zum eigentlichen Höhepunkt kommt es dann aber erst in der Gruppe. Und wenn die Leute dann lachen, ja, dann komme ich im Kopf auf ein Beglückungsniveau, das mit dem Zölibat eigentlich nicht vereinbar ist. Und darum ist das sowas wie Sex auf der Bühne", sagt König und muss selbst darüber lachen.

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Das Interview führte Mariela Milkowa.

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