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Geschenke auf Sparflamme – wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt

Wenn einem beim Weihnachtsessen zuerst die hohen Lebensmittelpreise einfallen, beim Shopping die Inflation und beim Weihnachtsmarkt das Coronavirus: Sollte man's da mit Weihnachten nicht einfach mal bleiben lassen? Ja, meint unser Autor. Und doch sei da die leise Hoffnung, dass sich die Vorfreude irgendwann noch einstellt ...

Die Vorfreude auf Weihnachten - ich muss es ganz ehrlich sagen, die hält sich bei mir dieses Jahr in Grenzen. Sonst bin ich jemand, der die erste Kerze am Adventskranz nicht früh genug anzünden kann. Aber diesmal? Hmm, eilt jetzt nicht.

Irgendwie ist dieses Jahr bei mir schon so ein Gefühl da, was sich sonst erst lange nach Weihnachten einstellt: Dann, wenn auf dem Plätzchenteller nur noch Krümel liegen und die Nordmanntanne in der Ecke vor sich hin trocknet. Weihnachten ist dünn geworden wie ein Lebkuchen, für den die Zutaten nicht mehr ganz gereicht haben. Statt dass die Vorfreude größer wird, schmilzt Weihnachten wie ein Schneemann in der Sonne - und damit alles, was dazugehört.

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"Das Thema" als Podcast: Geschenke auf Sparflamme – wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt

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Sogar der Stern von Bethlehem wäre auf Sparflamme

Zum Beispiel das Licht: Nicht nur am Weihnachtsbaum, sondern auch Adventskranz, Lichterketten, noch mehr strahlend helle Schaufenster als sonst und so weiter ... Nur dass dieses Jahr die Botschaft nicht lautet: helles Licht in dunkler Nacht, sondern - Strom sparen. Ich glaube, dieses Jahr hätten sie sogar den Stern von Bethlehem auf Sparflamme geschaltet.

Und wo wir schon beim Thema sind: Weihnachten, das ist für mich auch Wärme. Mollig, behaglich, am besten natürlich mit echtem Kaminfeuer, aber sonst tut es eine Heizung, kräftig aufgedreht bis zum Anschlag ... Oh, Entschuldigung, ich meine natürlich: eine minimal aufgedrehte Sparheizung, denn mehr ist angesichts der Energie- und Gaskrise wohl nicht drin, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen, und wenigstens das will man ja Weihnachten haben.

Weihnachten sollte ein friedliches Fest sein

Ich weiß nicht, aber wenn einem beim Weihnachtsessen mit der Familie zu allererst die hohen Lebensmittelpreise einfallen, beim Schenken die Inflation zum Shoppingberater wird und zwischen den Menschen auf dem Weihnachtsmarkt noch immer ganz leise Corona mitläuft - wollen wir's da mit Weihnachten nicht einfach mal bleiben lassen?

Und last but not least: Weihnachten sollte ein friedliches Fest sein. Das mag jetzt noch so klischeebeladen klingen, und viele werden jetzt einwenden: 'Ja und? Weihnachten herrscht doch immer Krieg, irgendwo auf der Welt, also nicht anders als sonst auch.' Denen kann ich nur antworten: Doch, dieser verbrecherische Angriffskrieg mitten in Europa, der so viel verändert und kaputtgemacht hat, ist sehr wohl was anderes.

Bedürfnis nach Weihnachten

Apropos: Natürlich weiß ich, dass es in der deutschen Geschichte schon jede Menge Weihnachtsfeste gegeben hat, die weitaus trauriger und düsterer waren - für Einzelne, aber auch für das ganze Land. Heiligabend im Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Weihnachtstage in den harten Hungerwintern der unmittelbaren Nachkriegszeit, oder auch Weihnachten in den 20er Jahren, geprägt von Hyperinflation oder Weltwirtschaftskrise, als Erich Kästner dichtete: "Morgen kommt der Weihnachtsmann, allerdings nur nebenan."

Ich habe 1000 Gründe, dieses Jahr nicht Weihnachten zu feiern. Und trotzdem ist da dieses Bedürfnis nach Weihnachten. Verbunden mit der leisen Hoffnung, dass die Vorfreude vielleicht ja doch noch kommt: später und dafür intensiver? Und vielleicht bleibt von Weihnachten am Ende doch noch was übrig - etwas besonders Schönes, Überraschendes. Was genau? Keine Ahnung. Aber ich schreibe es für alle Fälle auf meinen Wunschzettel.

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"Der Tag": Ach, Du Fröhliche! – Weihnachten in der Krise

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