Butzbach Marktplatz

Butzbach hat rund 26.500 Einwohner - und es werden immer mehr. Seit einiger Zeit wird die kleine Stadt, die mit allerhand Fachwerk, kleinen Lädchen, Cafés und Restaurants aufwartet, besonders für Menschen mit Lebensmittelpunkt in Frankfurt und Gießen interessant. Aber was genau macht Butzbach so attraktiv und wieso schrumpft Frankfurt? 

Butzbach ist Boomtown. Der Zuwachs ist beträchtlich und reißt auch nicht ab, so Bürgermeister Michael Merle. "Das ist ein besonderer Moment, eine besondere Phase in der Stadt. In den letzten fünf bis sieben Jahren haben wir einen Zuwachs von über 2.000 Menschen in der Stadt gehabt", sagt er. Inzwischen hat die Stadt 26.500 Einwohner. "Das ist in der Dichte in der Zeit relativ einmalig. Mal so als Kontrast: Vor gut zehn Jahren haben wir noch Kindergärten schließen müssen, weil einfach Kinder gefehlt haben. Heute ist es genau umgekehrt."

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Das entspricht einer Zunahme um mehr als zehn Prozent. Zum Vergleich: Der Wetteraukreis, in dem Butzbach liegt, verzeichnet einen Bevölkerungsanstieg von knapp zwei Prozent. Bernd-Uwe Domes von der Wirtschaftsförderung des Wetteraukreises rechnet damit, dass noch mehr Menschen nach Butzbach ziehen werden. "Ganz grundsätzlich sind es sicher Familien, die nach bezahlbarem Wohnraum suchen", sagt er. Aber es seien auch Menschen, die ihren Arbeitsplatz zum Beispiel in Frankfurt oder in Gießen haben oder die dort studieren. "Die Mieten sind in diesen Zentren sehr teuer, und da sucht man nach Alternativen. Und durch die gute Lage und gute Anbindung von Butzbach bietet sich das an. Da ist Butzbach durchaus eine Alternative."

Eine der Städte mit dem höchsten Wachstum

Damit gehört Butzbach zu den 20 Städten in Deutschland, die in den letzten Jahren das höchste Wachstum hatten. Frankfurt ist im Gegensatz dazu 2020 leicht geschrumpft. "Das wird auch in Zukunft so sein", meint Domes. Das Narrativ der Großstadt bröckele. Verdichtung, Verschlechterung von Lebensbedingungen, Verteuerung von Preisen - all das führe dazu, dass die Großstadt für Familien oder auch für ältere Menschen nicht mehr die Zukunft bedeute. Für Menschen, die am Beginn ihres beruflichen Weges stünden, sei das aber nach wie vor der Fall.

Bis 2030, so die Einschätzung von Forschern, soll Butzbach noch weitere drei Prozent Zuwachs bekommen. Diese neuen Bewohnerinnen und Bewohner haben Bedürfnisse. Darauf muss die Stadt Antworten finden. Dabei geht es aber um viel mehr als nur um Wohnraum, sagt Bürgermeister Michael Merle: "Die Schulplanung, aber auch die Kindergartenplätze müssen vor Ort sein, die sozialen Angebote. Vereine müssen über gute Rahmenbedingungen verfügen." Man brauche eine gute soziale und Sport-Infrastruktur, damit die Menschen sich wohlfühlen würden.

Leben muss von Grund auf neu gedacht werden

Das Leben in Städten wie Butzbach muss von Grund auf neu gedacht werden. Schließlich sollen die Menschen auch bleiben, sagt Wirtschaftsförderer Bernd-Uwe Domes. "Das ist für die Kommunen eine sehr, sehr große Herausforderung." Das Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert werde sich grundlegend verändern. Strategische Themen wie das Wohnen, das Leben, die Naherholung, die Arbeit und auch die Mobilität dürften nicht nebeneinander gedacht werden, sondern "verwoben, miteinander integriert gedacht werden. Und dafür braucht es einfach einen Plan. Und es braucht Experten."

Genau das hat man offenbar in Butzbach erkannt. Zurzeit arbeiten die Verantwortlichen an einem Masterplan für die Stadt, einem Zusammenspiel von verschiedenen Fachbereichen wie Wohnen und Bauen, Mobilität und Infrastruktur, Klimaschutz, Arbeit und Finanzen, lebendige Innenstadt. Das Motto: Butzbach bewegen. Es ist eine neue Dimension der Stadtentwicklung, die das bisherige Arbeiten sprengt, sagt Bürgermeister Michael Merle. Er schätzt, dass der Masterplan in ungefähr zwei Jahren fertig ist. 

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