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Ein Bachelor-Studium ohne Abitur, Aufnahmeprüfung und Bachelorarbeit - das bieten private Bildungseinrichtungen wie die Akademie Deutsche POP in Deutschland an. Doch beim genauen Hinschauen fällt auf: Es handelt sich dabei nicht um deutsche Bachelor-Abschlüsse. Was bedeutet das für Studierende? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Mit den Berufsaussichten hierzulande könnte es schwierig werden. Betroffene berichten außerdem von immensen Kosten, falschen Versprechungen und Knebelverträgen. Wie sieht das genau aus? Welchen Wert haben die Abschlüsse? Und worauf sollten Studierende achten? Ein Überblick.

Wie funktioniert das System hinter den privaten Bildungsanbietern?

In Deutschland gibt es neben staatlichen Hochschulen und privaten Hochschulen mit staatlicher Anerkennung auch kleinere Bildungseinrichtungen beziehungsweise -anbieter. Dabei handelt es sich um sogenannte Franchisemodelle, die oftmals im kreativen Bereich angesiedelt sind. Die dort angebotenen Optionen sind in der Regel recht preisintensiv, bieten jedoch hierzulande ohne große Einstiegshürden wie ein Abitur, eine Bewerbungsmappe oder Aufnahmeprüfungen Auslands-Studiengänge an. In der Regel handelt es sich dabei um britische Abschlüsse in Zusammenarbeit mit dortigen Hochschulen.

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Nach dem Abi: Vorsicht vor hier nicht anerkannten Abschlüssen an privaten Akademien

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An der Akademie Deutsche POP kann man beispielsweise Einzelkurse belegen und somit sogenannte Diploma bekommen. Diese sind nicht staatlich anerkannt, aber laut Angaben der Deutschen POP "branchenrelevant". Nach einem Diploma gibt es außerdem die Möglichkeit, in Kooperation mit der University of West London den britischen "Bachelor with Honours", kurz "Bachelor (Hons)", im Fernstudium zu absolvieren. Bucht man direkt ein Paket aus mehreren Angeboten, zum Beispiel Diploma und Bachelor zusammen, profitiert man außerdem von Rabatt-Aktionen. Eine solche private Bildungseinrichtung ist neben der Akademie Deutsche POP – die nicht zu verwechseln ist mit der staatlichen Popakademie in Mannheim – zum Beispiel das SAE Institute. Beide sind mit zahlreichen Standorten in Deutschland vertreten.

Ist ein britischer Bachelor hierzulande genauso viel "wert" wie ein deutscher Bachelor?

Ein britischer Bachelor ist zumindest nicht dasselbe wie ein deutscher Bachelor. Nach EU-Recht ist es zulässig, einen Hochschul-Abschluss aus einem anderen EU-Land auch hier anzubieten. Laut dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Nordrhein-Westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft spielt in diesem speziellen Fall jedoch auch der Austritt Großbritanniens aus der EU eine Rolle. Die Bachelor- und Mastergrade, die nach dem Brexit von britischen Hochschulen verliehen werden, dürfen zumindest in Hessen und NRW nur dann geführt werden, wenn die verleihende, britische Hochschule dazu genannt wird. Das heißt, beim "Bachelor (Hons)", der zum Beispiel an der Akademie Deutsche POP vergeben wird, muss offiziell immer in Klammern die University of West London mit angegeben werden, mit der die Akademie Deutsche POP kooperiert. Bei Abschlüssen aus der EU ist dieser Hinweis nicht notwendig.

Möchte man mit einem Bachelor aus einem Nicht-EU-Land wie England in einen Beruf einsteigen, wird es in reglementierten Berufen gegebenenfalls schwierig. In nicht reglementierten Berufen, wie zum Beispiel in der Kreativ-Branche, entscheidet der Arbeitgeber, ob der Abschluss ausreicht. Ob ein Arbeitgeber die britischen Abschlüsse anerkennt, ist also nicht gewährleistet. Gerade dann könnte es noch einmal mehr nützlich sein, zumindest mit Arbeitsproben, Praktika oder zusätzlichen Berufserfahrungen punkten zu können.

Ein weiterer interessanter Punkt: Die Kultusministerkonferenz hat eine Musterrechtsverordnung mit verschiedenen Kriterien für die Qualität von Studiengängen ausgearbeitet. Darin sind auch die Abschlussbezeichnungen geregelt, die es in Deutschland gibt. Demzufolge gibt es zumindest in Deutschland keinen Bachelor with honours, kurz Bachelor (Hons).

Kann ich mit einem britischen Bachelor einen deutschen Master studieren?

Private Hochschulen in Deutschland brauchen normalerweise zwingend eine staatliche Anerkennung durch den Wissenschaftsrat. Doch ausländische Hochschulgrade, wozu auch die Bachelor (Hons)-Abschlüsse zahlen, werden nicht regelhaft durch deutsche staatliche Institutionen überprüft. Doktor Ralf Bläser arbeitet für den Wissenschaftsrat im Bereich Akkreditierung. Zum Thema Anschlussfähigkeit an einen deutschen Master sagt er: "Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Aufnahme eines Masterstudiums an einer staatlichen deutschen Hochschule mit einem auf dem Wege der Studiengangskooperation erworbenen Bachelorabschluss einer ausländischen Hochschule nicht ohne weiteres möglich ist beziehungsweise zumindest erschwert ist."

Die Akademie Deutsche POP schreibt indes dazu: "Diejenigen (…), die eine akademische Folge-Qualifizierung, etwa den Master anstreben, haben die Chance, sich für einen weiterführenden Abschluss im Bildungsland Großbritannien selbst, wie auch international, wie auch in Deutschland bei allen Hochschulen zu bewerben, die einen UK Bachelor (Hons) Abschluss als Zugangsvoraussetzung akzeptieren." Hier vertritt die Akademie Deutsche POP also einen etwas anderen Standpunkt als beispielsweise der Wissenschaftsrat.

Worauf sollte ich achten, wenn ich mich für die Angebote einer privaten Bildungseinrichtung interessiere?

Zu dieser Frage haben wir mit Andreas Paul gesprochen. Er ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit und berät überwiegend Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf oder ins Studium. Er rät für diesen Fall, sich die Ausbildungen durch die Brille der Tätigkeiten, die man später ausüben möchte, anzuschauen. In Online-Jobbörsen wie indeed oder arbeitsagentur.de gibt es Stellenangebote aus unterschiedlichsten Bereichen – von Social Media bis hin zu Game Design. In diesen Stellenangeboten ist in der Regel detailliert beschrieben, welche Ausbildung und welche beruflichen Voraussetzungen erwartet sind. Gerade dann, wenn es um wenig geregelte Berufe geht, sind ebendiese Voraussetzungen laut Andreas Paul sehr maßgeblich.

Steht die Frage, ob ein privates Studium generell infrage kommt, in den Beratungsgesprächen von Andreas Paul zur Debatte, gibt er zunächst zu bedenken, ob es überhaupt eine realistische Chance gibt, dass die Kosten, die für die Ausbildung aufgewendet werden, sich im Berufsleben wieder auszahlen. Das kann nur bei denjenigen Ausbildungen der Fall sein, für die es später auch einen Arbeitsmarkt gibt. Wie bei jeder anderen größeren Investition, sollte man sich außerdem überlegen, ob die Qualität des Angebotes stimmt. Hier lohnt es sich auch, auf Zertifizierungen wie Akkreditierungen oder staatliche Anerkennungen zu schauen. Wenn das im Zweifelsfall nicht ausreicht, kann es zudem sinnvoll sein, sich in Online-Portalen wie studycheck.de aktiv zu den Erfahrungen ehemaliger Studenten oder Absolventen zu informieren.

Auf den Seiten studienwahl.de oder hochschulkompass.de gibt es außerdem große Übersichten zu Studiengängen in Deutschland. Weiterhin besteht natürlich die Möglichkeit, sich bei Berufsberatern wie Andreas Paul eine Meinung einzuholen, bevor man einen Vertrag unterschreibt.

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