Ein 9-Euro-Ticket in Papierform - scharf im Bildvordergrund. Züge im Bahnhof unscharf im Bildhintergrund.

Tankrabatte, Energiepauschale, 9-Euro-Ticket: Die Bundesregierung tut einiges, um die Bürger angesichts steigender Preise zu entlasten. Dumm nur, dass das Geld nicht immer dort landet, wo es am dringendsten gebraucht wird.

Bestes Beispiel: das 9-Euro-Ticket. Eigentlich eine sinnvolle Sache, denn angesichts steigender Spritpreise soll das Ticket Lust machen, auf Bus und Bahn umzusteigen. Aber jetzt macht gefühlt ganz Deutschland damit billig Urlaub und steuert von Garmisch-Partenkirchen bis Sylt alle möglichen Ausflugsziele an. Ich kenne auch viele Menschen, die dieses Schnäppchen mitnehmen, obwohl sie es nicht nötig hätten. Dafür war das Ticket in meinen Augen nicht gedacht.

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Ähnlich kritisch sehe ich die Tankrabatte: Die sind zwar gerechtfertigt, wenn sich Pendler ansonsten die Fahrt zur Arbeit nicht mehr leisten können. Aber oft dürften dadurch auch private Spritztouren subventioniert werden. Ja, die Leute könnten sogar motiviert werden, noch mehr Auto zu fahren. Das ist alles andere als förderlich für unser Klima.

Hilfe kommt nicht überall an

Die Entlastungspakete sind also grundsätzlich gut gedacht, aber teilweise schlecht gemacht. Und die Hilfe kommt auch nicht immer überall an: Die Energiepreispauschale von 300 Euro kriegen zum Beispiel nur Arbeitnehmer. Rentner dagegen gehen leer aus. Dabei könnten viele von ihnen dieses Geld sicher auch gut brauchen, um ihre Heizkostenrechnung zu begleichen. Oder Hartz-IV-Empfänger. Die bekommen zwar auch einen Zuschuss von 200 Euro, aber ansonsten müssen sie regulär mit knapp 450 Euro im Monat klarkommen.

Nicht nur sie, auch viele andere werden schlaflose Nächte haben, weil sie nicht wissen, wie sie angesichts steigender Lebensmittelpreise den Kühlschrank vollbekommen - und wenn gleichzeitig andere billiger tanken und in den Urlaub fahren können, finde ich das einfach ungerecht. Immerhin: Gerade für die Menschen mit kleinem Einkommen und die, die auf Grundsicherung angewiesen sind, plant die Politik noch weitere, langfristige Entlastungen. Ewig Zeit sollte sie sich damit aber nicht lassen, denn die hohe Inflation trifft viele bereits jetzt schmerzhaft.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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