Glasfabrik zählen zu den energieintensivsten Branchen

Hohe Strom- und Gaspreise, steigende Preise für Rohstoffe und Vorprodukte, Lieferengpässe: Dieser gefährliche Cocktail belastet viele Unternehmen. Mit dem Toilettenpapierhersteller Hakle und dem Schuhhändler Görtz haben die ersten großen Firmen bereits Insolvenz angemeldet. Ökonomen sagen für den Herbst eine Rezession voraus. Auch in Hessen mehren sich die Anzeichen dafür.

Die Polar Group in Hofheim ist Weltmarktführer. Sie liefert ihre Schneide- und Verpackungsmaschinen in 170 Länder, vor allem an Druckereien. Doch mittlerweile ist die Produktion ins Stockenn geraten, erzählt Geschäftsführer Michael Wombacher: „Wir haben Maschinen in der Halle stehen, die zu 80, 90 Prozent fertig bearbeitet sind, und da fehlen einfach Bauteilkomponenten. Somit kann man sie nicht ausliefern, weil sie nicht funktionieren.“

Audiobeitrag

Podcast

"Das Thema" als Podcast: Konjunktur auf der Kippe - Deutschlands Wirtschaft geht die Luft aus

Ende des Audiobeitrags

65 Maschinen stehen hier zurzeit herum, manche sind bis zu eine Million Euro wert. Deshalb nimmt das Unternehmen kaum noch Geld ein und ist seit fast drei Wochen in einem Schutzschirmverfahren - vergleichbar mit einem Insolvenzverfahren. Es fehlen von Chips bis zu Gussteilen verschiedenste Bauteile, und gerade die Gussteile könnten auch sogar noch teurer werden, meint Wombacher: „Das ist ja auch ein sehr energieintensives Geschäft, da wissen wir noch gar nicht, wie die Lieferanten mit den Gaspreisen umgehen.“

Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

Die aktuelle Energiekrise ist ein Riesenproblem. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der hessischen Industrie- und Handelskammern. Demnach fürchtet fast jedes zweite hessische Unternehmen wegen der hohen Gaspreise und Stromkosten um seine Wettbewerbsfähigkeit. Und jedes vierte Unternehmen stellt deshalb bereits wichtige Investitionen zurück, etwa für mehr Klimaschutz.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die bei der Produktion sehr viel Energie verbrauchen, meint Dirk Pollert. Er ist der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände: „Wir haben beispielsweise Betriebe, die im Bereich Stahl- oder Glasfertigung unterwegs sind, die angemeldet haben, dass sie ganz große Schwierigkeiten haben. Da werden die Kurzarbeiterregelungen eine Zeit lang helfen, aber nicht allein, weil die sich nur auf die Personalkosten erstrecken.“

In Hessen bislang (noch) keine Insolvenzwelle

Oft bleiben die Unternehmen laut Pollert auf ihren hohen Energiekosten sitzen. Denn sie können diese auch nicht immer an die Kunden weitergeben und für ihre Waren höhere Preise verlangen, wenn sie im internationalen Wettbewerb weiter bestehen wollen. Dazu kommt noch ein weiteres Problem, meint der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer: „Wenn wir nicht genug Gas sparen, hat die Regierung angekündigt, dass sie Gas rationieren wird, zu Lasten der Industrie. Das wäre für die Unternehmen ganz schwierig, denn dann könnten sie überhaupt nicht mehr produzieren oder nur weniger.“

Kommt dann also die befürchtete Insolvenzwelle? Das lässt sich Krämer zufolge extrem schwer vorhersagen. In Hessen ist sie bislang ausgeblieben. Nach Angaben des statistischen Landesamtes gab es im ersten Halbjahr 2022 knapp 600 Unternehmensinsolvenzen - das waren nur etwas mehr als im Jahr zuvor.

Und auch Anzeichen für eine Wirtschaftskrise, also eine Rezession, gibt es zumindest für Hessen laut Statistikern bislang nicht. Doch sollten die Preise für Strom und Gas so hoch bleiben, müssten immer mehr Unternehmen Maschinen anhalten oder gar abschalten, meint Ulrich Kater. Für den Chefökonom der Deka-Banksteht fest: „Das alles wird dazu führen, dass im Winter das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland sinken wird.“ Das Münchener ifo-Institut erwartet jedenfalls eine Winter-Rezession, und auch die Jahre danach dürften schwierig werden.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen