Privatschulen in Hessen

Rund sieben Prozent aller hessischen Schüler besuchen eine der rund 200 Ersatzschulen in Hessen. Privatschulen – das sind teure Eliteeinrichtungen für Kinder reicher Eltern – aber stimmt das? Unser Reporter hat an einer Privatschule in Nordhessen nachgefragt.

Große Pause an der Ursulinenschule in Fritzlar, die Haupt-, Real- und Gymnasialschüler erholen sich vom Unterricht. Seit mehr als 300 Jahren werden hier an der katholischen Privatschule Kinder unterrichtet. Früher vor allem im katholischen Sinne – heute konfessionsübergreifend und Werte-bestimmt: „Den Schüler in den Mittelpunkt zu stellen, ihn da abzuholen wo er steht und dieses Miteinander wirklich auch zu leben“, sagt Uwe Jüngst, seit knapp einem Jahr Schulleiter der Ursulinenschule.

Dass seine Schule als private Einrichtung etwas Besseres sei – oder gar elitär: nein, das weist Jüngst entschieden zurück: „Mit dem Begriff kann ich so gerade im Bezug auf unsere Schule wirklich nichts anfangen, weil ich glaube, eigentlich sind wir repräsentativ, würde ich hier sagen, für das Umfeld Fritzlar." Sie sei eine ganz normale Schule, "mit einer vielfältigen Schüler- und Lehrerschaft.“

Nur für Kinder reicher Eltern?

Soll heißen: hier sitzen nicht nur Kinder gutbetuchter Eltern in den Klassen, alle sozialen Schichten sind vertreten. Jüngst betont, dass eine Aufnahme an die Schule nicht von finanziellen Zuwendungen abhängt. "Wer nicht in der Lage ist irgendein Schulgeld zu zahlen, der wird davon befreit und das ist kein Kriterium für die Aufnahme.“

Da spielt es der Schule natürlich in die Karten, dass mit dem Bistum Fulda ein finanzstarker Träger die Schule unterhält. Der aber vor allem in den letzten Jahren immer mehr Geld in seine Schule investieren muss – und das obwohl auch das Bistum sparen muss, weiß Jüngst: “Der Schulträger investiert in die Zukunft unserer Kinder. Und da ist nach wie vor, trotz angespannter Haushaltslage, immens wichtig, dass wir gut ausgestattet sind." Das sei auch immer wieder die Rückmeldung des Schulträgers: "Qualität darf nicht irgendwo an den Finanzen scheitern.“

"Menschlichen Werte werden gelebt"

Rund 1000 Schüler gehen derzeit auf die Ursulinenschule. Alle mussten sich einem Bewerbungsverfahren stellen. Auch Connor Krauss hat das vor acht Jahren gemacht. Inzwischen ist er der Schulsprecher und findet vor allem den Zusammenhalt der Schüler toll: „Dass wir hier sehr freundlich miteinander umgehen, dass wir auch die Leute überall ansprechen können, das vermittelt für mich so ein offenes ‚Wir sind füreinander da‘."

Und genau das ist auch einer der Gründe, warum diese Mutter ihre Tochter auf der privaten Schule angemeldet hat: „Sozialverhalten, Sozialkompetenz ist wichtig, das Zwischenmenschliche. Die menschlichen Werte, die werden auch gelebt.“

Auch Privatschulen fehlen Lehrkräfte

Fakt ist aber auch – die private Ursulinenschule sucht wie die staatlichen Einrichtungen dringend Lehrkräfte. Und da habe man deutliche Wettbewerbsnachteile, sagt Jüngst – etwa beim Thema Verbeamtung. Er habe Respekt vor der Herausforderung, die in den nächsten Jahren ihn zukommt. Man müsse dann eben andere Vorteilen bieten, sagt Jüngst.

Caroline Backhaus ist Lehrerin an der Schule und erklärt, warum sie hier unterrichtet: "„Wie werde ich hier gewertschätzt, wie kann ich mich auch mit meinen Ideen einbringen." Auch das äußere Umfeld spiele eine Rolle: schöne Außengelände und Gebäude und "gute Ausstattung natürlich. Aber ich würde sagen die Menschen die hier arbeiten, das ist eigentlich so der ausschlaggebende Grund für mich.“

Trotzdem werde werde es nicht leichter für die privaten Schulen in Hessen, ergänzt Jüngst. Aber nach wie vor sieht er in der Alternative zu den staatlichen Schulen einen wichtigen Baustein im Schulsystem. Einen Baustein mit Zukunft: „Ich kann es nicht versprechen, dass es die Schule in 300 Jahren noch geben wird, aber ich bin zuversichtlich, dass wir noch eine ganze Reihe von Jahren erfolgreich hier mit jungen Menschen zusammenarbeiten werden.“

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