Ersthelfer-Alarmierung via App "Mobile Retter" leisten schnelle Hilfe im Notfall

Im Notfall ist schnelle Hilfe oft lebenswichtig. Die gibt es in Wiesbaden ab sofort von den "mobilen Rettern": Die freiwilligen Ersthelfer können schon lebensrettende Maßnahmen einleiten, bis der Notarzt kommt. In Groß-Gerau wurde das App-System bereits 2019 eingeführt. Zwei mobile Retter erzählen, wie das Ganze funktioniert und was sie bei ihren Einsätzen erleben.

App "Mobile Retter"
Bild © picture-alliance/dpa
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Wenn im südhessischen Ginsheim jemand dringend Hilfe braucht, dann klingelt das Handy von Till Koziol und Mona-Laura Weber. Beide sind mobile Retter - sie werden benachrichtigt, wenn jemand in ihrer Nähe einen Kreislaufstillstand erleidet. Das ganze System funktioniert über eine App, wo beide registriert sind. Die analysiert im Notfall, welche angemeldeten Retterinnen und Retter gerade in der Nähe sind, erklärt Till Koziol. Das oberste Ziel: So schnell wie möglich reanimieren, bis der Notarzt da ist, denn dabei zählt jede Minute.  

"Die Zeit, in der kein Minimalkreislauf vorhanden ist, also nicht gedrückt wird, nicht reanimiert wird - in dieser Zeit wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt und das führt zu sehr schlechten Überlebensraten", sagt Till Koziol. Und je mehr Menschen dort mitmachen, desto besser sind am Ende die Überlebenschancen. Die App "Mobile Retter" wurde in Hessen bisher nur im Kreis Groß-Gerau eingesetzt, soll jetzt aber ausgeweitet werden. Voraussetzung zum Retten ist: Man muss einen spezielle Schulung besucht haben und sollte auch möglichst einen Feuerwehr-, THW-, oder medizinischen Hintergrund haben.

"Das ist kein Spaß"

Was die Retterinnen und Retter erleben, ist unter Umständen sehr heftig:  "Man sollte sich im Klaren sein, dass es nicht immer die alte senile Person ist, sondern es kann auch mal ein Kind sein, bei dem wir vor Ort sind", so Koziol. Man sollte sich also bewusst sein, "dass das kein Spaß ist, wo wir uns aufhalten, sondern eine volle, ernste Sache. Und hier das Leben im Vordergrund steht und wir jemandem helfen wollen." Oft gelingt das leider trotz ihrer Bemühungen nicht. In solchen Fällen werden die mobilen Retter nach ihrem Einsatz psychologisch betreut.

Von rund 20 Einsätzen für Mona-Laura Weber ist bisher nur ein einziger wirklich gut ausgegangen. Damals konnten Till Koziol und sie einen Mann wiederbeleben, der während des Sports zusammengesackt war: "Wir sind hier beide bei der Feuerwehr und wurden zum Gespräch gebeten. Und dann stand der Herr, den wir wiederbelebt haben, mit seiner Frau und einem Teil der Familie vor der Tür und haben sich ganz herzlich bei uns bedankt. Es sind auch ein paar Tränchen geflossen, vor Freude und Glück. Und das war sehr, sehr schön zu sehen, dass es funktioniert hat."  Auch wenn die Menschen, denen sie helfen, letztendlich trotzdem häufig versterben, ist es wichtig, dass es viele schnelle Helferinnen und Helfer gibt. Denn jeder Gerettete ist ein Erfolg, der es ohne die mobilen Retter vielleicht nicht geschafft hätte.

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"Mobile Retter" - so funktioniert's

Im Notfall wie etwa einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Über die App "mobile Retter" werden medizinisch qualifizierte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe zum Notfall befinden, durch die GPS-Komponente ihrer Smartphones geortet und nach Wahl des Notrufs 112 durch die Leitstelle automatisch parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Mobile Retter können allein durch die örtliche Nähe sehr oft schneller als der Rettungsdienst am Notfallort sein und bis zu dessen Eintreffen bereits qualifizierte lebensrettende Maßnahmen einleiten, die gerade in den ersten Minuten oft entscheidend sind. [mehr]

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Sendung: hr-iNFO "Aktuell", 8.2.2023, 9 bis 12 Uhr

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Quelle: hr-inforadio.de/csi