Geschichte des Protests gegen Atomwaffen "Wir werden Euch nicht helfen können"

"Wir werden Euch nicht helfen können": Mit diesem Spruch sind die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges in den 80er Jahren auf die Straße gegangen, um auf die Gefahren eines Atomschlags aufmerksam zu machen. Eine Welt ohne Atomwaffen? Noch immer undenkbar. Aber den Widerstand gegen Atomwaffen hat es von Anfang an gegeben - bis heute.

Demo gegen Nachrüstung im Oktober 1983
Trotz eines Verbots nehmen Bundeswehrsoldaten im Oktober 1983 in Bonn an einer Demonstration gegen die Nachrüstung teil. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
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Einer der ersten, die gegen den Einsatz von Atomwaffen und gegen ein atomares Wettrüsten mit der Sowjetunion eintraten, war Robert Oppenheimer selbst, der sogenannte "Vater der Atombombe". Er hatte gesehen, was die Bombe in Hiroshima und Nagasaki angerichtet hatte: "Man hat mich gefragt", sagte Oppenheimer, "ob man mit Atombomben in einer einzigen Nacht 40 Millionen US-Amerikaner in den 20 größten Städten töten kann. Leider muss ich sagen: Ja!"

"Immer auf die Gefahren hingewiesen"

Der deutsche Chemiker Otto Hahn, der 1938 die Kernspaltung entdeckt hatte, soll geweint haben, als er von Hiroshima und Nagasaki erfuhr. 1957 unterschrieb er die "Göttinger Erklärung" gegen die Pläne der Regierung unter Konrad Adenauer, Atomwaffen für die Bundeswehr zu beschaffen.

Hahn sagte damals in einem Interview: "Ich darf daran erinnern, dass ich und die in der Göttinger Erklärung bekannten Atomphysiker, dass wir immer auf die Gefahren der Verwendung von Atom- und Wasserstoffbomben hingewiesen haben."

Kampf dem Atomtod

Millionen Menschen demonstrierten 1958 in der Bewegung "Kampf dem Atomtod!". Sie wurde von SPD, FDP, Kirchen, Gewerkschaften und Schriftstellern unterstützt. In der Frankfurter Kongresshalle berichtete der Zukunftsforscher Robert Jungk damals von seinem Besuch in Hiroshima - über ein Mädchen in einer Klinik: "Die Haut über ihren Augenlidern war so verbrannt, dass diese Augen nicht mehr geschlossen werden konnten. Sie konnte nur schlafen, wenn sie sie etwas über die Augen legte. Ich frage mich, meine Damen und Herren, müssen auch wir so lange warten, dass uns die Augen geöffnet werden? Müssen sie uns auf diese Weise geöffnet werden?"

"Weg mit der Bombe!" riefen am 7. April 1958 die Demonstranten in London beim weltweit ersten Ostermarsch. Aber: Die Bombe blieb, immer mehr Länder rüsteten atomar auf. 1981 gründeten Ärzte aus den USA und der Sowjetunion die "Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges" IPPNW. Die deutsche Sektion gründete der Arzt Ulrich Gottstein mit, Chefarzt am Bürgerhospital in Frankfurt. Als Ärzte wollten sie den Menschen sagen, "dass man gegen die Strahlung nichts mehr tun kann. Und deswegen war auch die Überschrift unserer ersten großen Ärzte-Demonstration: 'Wir werden Euch nicht helfen können'."

Abrüstung in den 80ern - und heute?

Nach dem NATO-Doppelbeschluss 1979, moderne Pershing-Atomraketen gegen sowjetische SS-20-Raketen aufzustellen, begann eine neue Friedensbewegung gegen Atomraketen. Hundertausende demonstrierten in Deutschland und weltweit. Immerhin rüsteten die USA und die Sowjetunion danach tausende Atomwaffen ab. Bis heute erinnert Jahr für Jahr die Friedensglocke in Hiroshima an den Tag des Abwurfs, um gleichzeitig für eine Welt ohne Atomwaffen zu kämpfen. Die ist im Moment anscheinend unerreichbar.

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Sendung: hr-iNFO "Der Tag" 13.10.2022 19.05 Uhr

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Quelle: hr-inforadio.de/ricma