Schottergärten "Die Ursünde im Gartenbau"

Schottergärten sind gerade in Neubaugebieten sehr beliebt, weil sie vermeintlich Arbeit ersparen. In vielen Städten, darunter auch Frankfurt, werden Hausbesitzer nun aber dazu gezwungen, die Flächen wieder zu entsiegeln. Wo die Probleme bei den Schottergärten liegen, erklärt Biologe Ulf Soltau im Gespräch mit hr-iNFO.

Schottergarten als Vorgarten eines Hauses
Bild © picture-alliance/dpa
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Ulf Soltau hat die Social-Media-Präsenz "Gärten des Grauens" ins Leben gerufen, um auf die Probleme hinzuweisen, die durch Schotter- und Steingärten entstehen.

hr-iNFO: Herr Soltau, wie wirken sich Schottergärten und die zugepflasterten Parkplätze vor dem Haus konkret auf unser Klima aus?

Soltau: Auf das Klima so direkt nicht, aber mit Sicherheit auf das Kleinklima in unseren Kommunen. Solche Flächen heizen sich im Sonnenschein natürlich stark auf. Diese Mineralien und Gesteine können sich im Sonnenlicht auf bis zu 60 Grad aufheizen - im Gegensatz zu bepflanzten Flächen, die sich allenfalls bei solchen Temperaturenlagen bis 20 bis 25 Grad aufwärmen.

Also Pflanzen haben immer noch eine Transpirationskühle, sie verdunsten Wasser, während Steine sich einfach aufheizen und nachts diese Wärme auch wieder abstrahlen. Das heißt, es findet auch keine Abkühlung mehr statt. Und das ist insofern problematisch, als dass Deutschland heute schon das - nach Indien und China - am drittschwersten betroffene Land ist, was Hitzetote über 65 Jahre angeht. Und der Klimawandel kommt gerade erst richtig in Schwung.

hr-iNFO: Neben der Erwärmung ist die zunehmende Versiegelung von Flächen ein Problem, weil dort das Wasser bei starkem Regen nicht versickern kann. Ist das bei den Schottergärten auch der Fall?

Soltau: Schottergärten werden professionell mit einem Unkrautvlies unterfüttert. Das heißt, unter diesem Schotter liegt nochmal eine Plastikfolie - für meinen Geschmack die Ursünde im Gartenbau. Nicht nur, dass man dort Plastik verbuddelt, sondern diese Folie gilt zwar als wasserdurchlässig, mit der Zeit setzt die sich natürlich aber zu.

Dazu kommt, dass wir mit dieser Folie ein Bodenleben quasi unterbinden. Regenwürmer können nicht mehr an die Oberfläche kommen und Nahrung in ihre Röhren ziehen, wir haben keine Insektengänge mehr. Also mit anderen Worten: Auch die Schwammstruktur des Bodens leidet oder geht komplett verloren. Und so ist auch die Wasserhalte-Kapazität solcher Böden unter solchen Lasten von Schotter und Folie reduziert. Das heißt, das Wasser fließt überwiegend oberirdisch ab und das kann dann wirklich auch zu Folgen führen, wie wir es schon erlebt haben: Hochwasserfolgen mit den entsprechenden Kosten.

hr-iNFO: Die Schottergärten gelten als pflegeleicht - kein Gießen, kein Unkrautzupfen. Stimmt das?

Soltau: Das ist natürlich das Verkaufsargument für solche "Gärten". Das sind sie vielleicht auch die ersten eins, zwei Jahre. Aber im Herbst bildet sich natürlich Herbstlaub, Humus bildet sich von ganz allein ... Also in der Natur gibt es eigentlich keine sterilen Flächen. Früher oder später wird alles besiedelt. Und dann sind die ersten Siedler Moose und Flechten, später kommt dann Flugsaat, und es bilden sich natürlich wieder Kräuter in solchen Flächen. Und dann ist es natürlich schwierig - wer kniet schon gern im Schottergarten und zupft Unkraut? Und dann ist hier leider der Griff zur Giftspritze recht schnell getan, obwohl das auch verboten ist.

hr-iNFO: Welche Alternativen gibt es denn für einen pflegeleichten und trotzdem klima- oder umweltgerechten Vorgarten?

Soltau: Wir müssen festhalten: Schottergärten sind Schwarzbauten. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg in Niedersachsen bestätigt. Das bedeutet im Grunde den Abbau, den Rückbau dieser Schottergärten. Das ist nur sehr teuer.

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Sendung: hr-iNFO "Aktuell", 4.4.2023, 15 bis 18 Uhr

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Quelle: hr-inforadio.de/csi