Kinder laufen in einer Kita über eine Hängebrücke. (dpa)

Jedes Kind ab einem Jahr hat das Recht auf einen Betreuungsplatz. Doch trotz dieses Rechtsanspruchs schaffen es nicht alle Kommunen, die Kinder unterzubringen. Für die Eltern bringt das oft nicht nur ein finanzielles Problem mit sich. Unsere Reporterin hat Mütter und Väter in Mörfelden-Walldorf getroffen, die von ihren Nöten berichten.

Bernhard, Sarina und Dennis sind im Krisenmodus. "Wir haben leider noch keinen Anschluss-Kindergartenplatz bekommen und haben jetzt drei Monate die Tagesmutter verlängert - und danach wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt“. "Wie es ab dem 1. November mit einer Anschlussbetreuung aussieht, wissen wir aktuell noch nicht." "Wir haben im Dezember erst einen Platz im Kindergarten bekommen. Und ich bin Krankenschwester und kann leider bis dahin nicht mehr arbeiten."

Ich treffe die drei auf einem Spielplatz mitten in Mörfelden-Walldorf. Regelmäßig kommen sie zusammen, um sich auszutauschen. Sie alle haben noch immer keinen Kitaplatz. Trotz Rechtsanspruch auf Betreuung, der bundesweit für Kinder ab einem Jahr gilt. Das heißt dann konkret: Arbeitszeiten reduzieren oder die Urlaubstage noch nicht verplanen, falls das Kind noch zu Hause bleiben muss.

Lage in ganz Hessen angespannt

Im April haben sie erfahren, dass sie vermutlich erst im September 2023 mit einem Kitaplatz rechnen können. Und sie sind nicht die einzigen: Rund 160 Eltern haben sich in Mörfelden-Walldorf in einer Familieninitiative zusammengeschlossen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, erzählt Björn Neumeier, Sprecher der Initiative: "Momentan haben wir mehrere hundert Kinder, die leider keinen Kindergartenplatz haben. Das erstreckt sich auf den über-drei-Platz und unter-drei Platz - mit teils starken Auswirkungen auf das Sozialleben, aber natürlich auch auf die finanzielle Situation der betroffenen Familien." Viele von ihnen sind verzweifelt. Gerade jetzt, wo alles teurer wird, müssen meist die Frauen raus aus dem Job, um ihre Kinder zu Hause zu betreuen.  

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"Das Thema" als Podcast: Brennpunkt Kita - was brauchen unsere Familien?

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Aktuell sind das 156 Kinder allein in Mörfelden-Walldorf. Seit Jahren kann der Landkreis Groß-Gerau nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr zur Verfügung stellen. Denn überall fehlt es an Personal. In ganz Hessen ist die Lage angespannt: In Frankfurt zum Beispiel gibt es 54.550 Kita-Plätze, über 3.000 Kinder sind noch nicht versorgt. In Wiesbaden fehlen 728 Kitaplätze, insgesamt gibt es 13.086. In vielen Kommunen gibt es Initiativen wie die in Mörfelden Walldorf.  Alle wollen wissen: Warum ist es so schwer, ausreichend Plätze zur Verfügung zu stellen?

Es fehlt an Personal

Stadtrat Karsten Groß ist seit einem Jahr in Mörfelden-Walldorf für die Kitas zuständig. Die Mangelverwaltung, erzählt er mir, habe er von seinem Vorgänger übernommen. Groß sagt, das Problem sei, Personal zu bekommen: "Es ist so, dass der Beruf selbst lange Jahre zumindest mal den Ruf hatte, schlecht bezahlt zu sein. Das hat sich verbessert. Mittlerweile sagen uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Das Geld ist nicht mal mehr das Thema. Es geht um die Arbeitsbedingungen." 

Also um mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung, Fortbildungsangebote und Qualitätszeit mit den Kindern. Stadtrat Groß würde noch mehr investieren, findet aber kein Personal. Der Markt sei leergefegt. Und das, obwohl schon viel in Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen investiert wurde. Doch offenbar nicht genug, denn bis 2030 könnten in ganz Deutschland 230.000 Fachkräfte für Kitas fehlen, in Hessen 25.000. Das hat die Bertelsmann-Stiftung ermittelt

Hoffen auf eine schnelle Lösung

Keine schöne Perspektive für die betroffenen Eltern. Sie brauchen einen Kitaplatz. Um Geld zu verdienen, aber auch, um ihren Kindern gute Startvoraussetzungen für die Schule mitzugeben. Nicht alle können das zu Hause leisten. Und nicht alle können den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz einklagen: zu teuer. Deswegen helfen Familieninitiativen wie die in Mörfelden-Walldorf allen Betroffenen. Sie wünschen sich, "dass man gemeinsam mit der Stadt Lösungen findet, die pragmatisch sind, die schnell umsetzbar sind und entsprechend allen Eltern eine Lösung und auch eine Perspektive für die nächsten Monate, aber auch Jahre hier im Kreis bieten."

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