Frau hört Musik und lacht

Postkarten, Wandtattoos und unzählige Ratgeber erzählen uns, was uns glücklich macht. Aber was ist das eigentlich genau, das Glück? Und wovon hängt es wirklich ab, dass wir es empfinden?

Jean-Jacques Rousseau hatte sehr weltliche Vorstellungen vom Glück: ein hübsches Bankkonto, eine gute Köchin, eine tadellose Verdauung. Für Hermann Hesse war es nichts anderes als die Liebe. Und das Wandtattoo weiß: Es ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Ja, was denn nun? Es ist nicht einfach mit dem Glück, so viel sei schon mal gesagt. Also: auch zu beschreiben, was es eigentlich ist. Denn es gibt wohl beinahe so viele Definitionen von Glück wie Vorstellungen darüber, wodurch dieser Zustand zu erreichen ist.

Doch ein genauerer Blick hilft, ein wenig Ordnung ins Glücks-Chaos zu bringen. Im Grunde lassen sich alle Definitionen in eine von drei Kisten packen, zumindest im westlichen Sprachgebrauch.

Drei Varianten von Glück

  • Zufälliges Glück - wie etwa beim Lottogewinn
  • Hedonistisches Glücksgefühl - also eine positive Emotion, ein Sich-gut-fühlen, etwa wenn man etwas Schönes erlebt
  • Eudämonistisches Glück - der Begriff „Eudämonia“ geht auf Aristoteles zurück und bedeutet so viel wie „gutes Leben“ oder „sein Potenzial verwirklichen“. Aristoteles war davon überzeugt, dass jedes Lebewesen eine bestimmte Aufgabe hat, die sich aus seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten ergibt – und nur wenn man diese ausbildet und anwendet, kann man ein glückliches, erfüllendes Leben führen. Glück in diesem Sinne erreicht man also etwa, wenn man sich für etwas einsetzt, das einem am Herzen liegt oder wenn man seine Ziele trotz Hindernissen verwirklicht.

Nicht immer lässt sich dieses Glück natürlich klar voneinander unterscheiden: Wenn jemand aristotelisch glücklich ist, wird das vermutlich oft auch ein hedonistisches Glücksgefühl auslösen. Umgekehrt sorgt aber nicht jeder Sonnenuntergang oder jede Party, die uns ein gutes Gefühl verschafft, für eudämonistisches Glück.

Die buddhistische Vorstellung von Glück

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Fuck you Krise! Auf der Suche nach dem Glück

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Die Natur des Glücks folgt einem dialektischen Prinzip: Wer Glück verstehen will, muss auch wissen, was Unglück ist. Glück ungleich Unglück, könnte man daraus folgern. Die genannten Definitionen verstehen das Glück entsprechend auch als Abwesenheit von Leid. Die buddhistische Vorstellung ist jedoch eine andere: Hier gilt eine innere Haltung als eine Bedingung von Glück, durch die auch Leid uns nicht völlig ins Unglück stürzt. Nur mit einem inneren Frieden, so die Überzeugung, oder einem „ruhigen Bewusstsein“, in dem alle Wünsche befriedigt oder überwunden sind und das sich durch mentale Praxis wie etwa Meditation erreichen lässt, lassen sich auch leidvolle Erfahrungen so bewältigen, dass sie nicht gleich alles mit sich reißen.

In unserem Sprachgebrauch wird Glück – sofern es sich nicht um das Zufalls-Glück handelt – jedoch meist im hedonistischen Sinne verstanden. Der Duden definiert es entsprechend auch als eine „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung.“

Die Erforschung des Glücks

Was aber verschafft uns diese Hochstimmung? Das ist zum einen natürlich sehr individuell, zum anderen aber auch Gegenstand eines ganzen Forschungszweigs: der Glücksforschung. Philosophen, Psychologen, Ökonomen, Sozialwissenschaftler und andere erforschen dabei die Bedingungen, unter denen Menschen sich glücklich fühlen.

Das Ziel der Wissenschaftler ist unter anderem, psychischen Erkrankungen besser vorbeugen zu können. Denn kaum etwas helfe uns besser gegen Schicksalsschläge als eine positive Lebenseinstellung. Außerdem sollen glückliche Menschen eine höhere Lebenserwartung haben.

Was uns glücklich macht

Ein zentrales Ergebnis der Glücksforschung: Wir haben es nicht komplett selbst in der Hand. Studien zufolge wird die Veranlagung zum Glücklichsein nämlich zu etwa 50 Prozent von unseren Genen bestimmt. Die Lebensumstände machen weitere zehn Prozent aus, die restlichen 40 Prozent liegen dann an uns.

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Glücks-Grundbedingungen (UNO)

Die UNO hat Bedingungen identifiziert, die notwendig sind für unser Glück. Dabei handelt es sich um Grundbedürfnisse als Grundbedingungen des Glücks, während die Glücksforschung sich für die Frage, was uns letzlich wirklich glücklich macht, auf emotionale und soziale Komponenten bezieht.

  • mindestens 2.500 Kalorien pro Tag
  • einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  • mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum
  • einen Platz zum Kochen
  • eine sechsjährige Schulbildung
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Was können wir also tun für unser Glück? Bei allen individuellen Unterschieden haben die Wissenschaftler einige Dinge identifiziert, die bei den meisten Menschen dazu beitragen, dass sie sich glücklich fühlen:

  • eine stabile Beziehung
  • Freundschaft
  • Geselligkeit
  • Gesundheit
  • einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Beruf
  • Kinder
  • ausreichend Geld zur Erfüllung der Grundbedürfnisse (darüber hinaus gehende materielle Besitztümer tragen laut Forschung übrigens nur wenig zum Wohlbefinden bei, wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind)

Nicht für jeden führt jeder dieser Aspekte jedoch zu Glück. Das zeigt sich gut am Beispiel von Kindern: Für die einen sind sie das Beste, was ihnen passieren konnte - sie können aber auch Quell von Stress und Problemen sein. Insgesamt ist der Glücksunterschied zwischen Eltern und Menschen ohne Kinder nicht besonders groß, wie Studien zeigen.

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Der "World Happiness Report"

Im World Happiness Report untersuchen Wissenschaftler seit einigen Jahren im Auftrag der Vereinten Nationen regelmäßig, wie es um die Lebenszufriedenheit der Menschen bestellt ist. Die besten Chancen auf Glück hat man dem Bericht von 2022 zufolge in Finnland: Hier sind die Menschen im internationalen Vergleich von 146 Ländern insgesamt am zufriedensten. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Dänemark, Island, die Schweiz und die Niederlande. Deutschland steht an 14. Stelle.

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Sport, Meditation und Abwechslung helfen

Was uns jedoch allen hilft, unserem Glück auf die Sprünge zu helfen: Sport und Meditation. Dabei werden nämlich Botenstoffe ausgeschüttet, die positive Gefühle hervorrufen. Beim Meditieren geht der ganze Organismus in einen Zustand über, den das Gehirn als angstfrei und entspannt deutet. Und auch körperliche Aktivität hebt die Laune, weil das Gehirn dann vermehrt Serotonin und Endorphin ausschüttet.

Glücksbotenstoffe werden übrigens auch ausgeschüttet, wenn wir einen abwechslungsreichen, spannenden Alltag haben. Freude, Lust, Aufmerksamkeit, Neugier und Lernen seien untrennbar miteinander verbunden, schreibt Stefan Klein in seinem Buch "Die Glücksformel". Deshalb sei es wichtig, einen aktiven Alltag zu haben und Herausforderungen zu suchen.

Zu viel des Guten

Viele Wege führen also zum Glück. Die gute Nachricht für alle, die sich jetzt ein bisschen gestresst fühlen: Wir sollten es auch nicht übertreiben mit der Suche nach dem Glück. Denn das übereifrige Streben danach führe meist zum Gegenteil, sagt die Forschung (so wie ständiges Vergleichen mit anderen oder es allen recht machen zu wollen übrigens auch). Laut einer Studie der Rutgers University Newark und der University of Toronto vom März 2018 scheine auf der Jagd nach Glück Zeit zu verschwinden, „wenn Glück als Ziel betrachtet wird, das stetige Anstrengung erfordert.“ Im Zweifelsfall halten sie es also lieber mit Roberto Blanco: Haben Sie Spaß, entspannen Sie sich - dann kommt das Glück vielleicht von ganz allein.

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Die Chemie des Glücks: Was passiert im Körper, wenn wir glücklich sind?

Von Katharina Bruns

"Alles, was wir fühlen und denken, jede bewusste oder unbewusste Veränderung unseres Verhaltens ist das Ergebnis komplexer Vorgänge zwischen Nervenzellen unseres Gehirns", erklärt Professor Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München in einem Beitrag für das Format Bild der Wissenschaft. Soll heißen, Glück, aber auch andere Emotionen wie Trauer und Wut, werden durch einen chemischen Ablauf im Gehirn ausgelöst. Und wo genau dieser Vorgang stattfindet, aus dem dann das Glück entspringt, konnte schon Mitte der 50er-Jahre von dem amerikanischen Psychologen James Olds beobachtet werden.

Durch Zufall auf das Glück gestoßen

Bei einem Experiment, bei dem es um Lernmechanismen gehen sollte, implantierte er Ratten eine Elektrode in ein bestimmtes Areal im Gehirn und stimulierte dieses durch leichte Elektroschläge. Eine der Ratten hatte die Elektrode aber an die falsche Stelle gesetzt bekommen. Dies fiel deshalb auf, weil sie immer wieder an den Ort zurückkehrte, an dem ihr der Stromschlag gesetzt wurde. Das Belohnungssystem war gefunden. Bei weiteren Experimenten zeigte sich: Einige der Ratten vergaßen durch diese Forderung nach Belohnung - die sie nun selbst durch eine Hebelbewegung, die einen Stromschlag auslöste, einfordern konnten - zum Teil das Essen und Schlafen und brachen schlussendlich zusammen. Zu viel Glück ist augenscheinlich fordernd.

Das Belohnungszentrum, das Olds damals entdeckte, liegt im Mittelhirn und besteht aus vielen Neuronen, also Nervenzellen, die auf Reize reagieren. Werden sie aktiviert, schütten sie das Glückshormon Dopamin aus, das wiederum in das Frontalhirn und in das Vorderhirn, in den Nucleus accumbens, geleitet wird. Der Botenstoff Dopamin entsteht unter anderem bei Nervosität und Vorfreude und bringt, wenn er ins Frontalhirn gewandert ist, den Menschen dazu, aufmerksamer zu werden. Das kann beim Anblick eines Stück Kuchens sein oder aber auch bei der Wahl eines neuen Kleidungstücks – das Gehirn möchte die Lust erfüllen, weil es die Belohnung schon kennt und reagiert mit der Dopaminausschüttung.

Das Glück kann man beeinflussen

Ist die Dopaminmenge sehr groß, werden im Nucleus accumbens daraufhin opiumähnliche Stoffe ausgeschüttet. Der Mensch fühlt sich wie im Rausch. Aber nicht nur Dopamin kann glücklich machen, auch Endorphine, die bei Bewegung freigegeben werden – man denke an das sogenannte „Runners High“ oder auch Serotonin, dass besonders dann zum Einsatz kommt, wenn man etwas für jemanden tut oder ein Kompliment bekommt. Und zu guter Letzt kann man auch Glück von außen bekommen: Durch Streicheln oder physische Nähe wird das sogenannte "Kuschelhormon" Oxytocin ausgeschüttet, das den Menschen entspannter und stressfreier sein lässt.

Das Glück lässt sich also auch durch kleine Hilfsmittel im Alltag hervorlocken. Aber Obacht: "Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein. Aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben", erklärt der Hirnforscher Manfred Spitzer bei Planet Wissen. Künstlich nachhelfen sollte man deshalb besser nicht, denn dann ist der Glückstank schnell wieder ganz leer und lässt sich auch nicht umgehend wieder aufladen.

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Quellen und weitere Infos

  • Glücksforschung: Was uns wirklich glücklich macht [ardalpha.de]
  • Die fünf großen Fragen der Glücksforschung [spektrum.de]
  • Was ist eigentlich Glück? Philosophisch betrachtet - Gert Scobel [youtube.com]
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