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Aus-geschöpft? In Deutschland wird das Wasser knapp

Verdorrte Wiesen und ausgetrocknete Flussbetten: Ganz Hessen ächzt unter der Hitze – und mancherorts wird sogar das Wasser knapp. Besonders heikel ist die Lage im Taunus. Dort haben einige Kommunen schon den Wassernotstand ausgerufen. Trinkwasser darf nur noch zum Trinken, Kochen und für die Körperpflege verwendet werden. Aber wieso ist das Problem gerade hier so groß und was halten die Menschen vor Ort von den Spar-Appellen?

In Taunusstein reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus. Die Gärten backen in der Mittagshitze, die Rasenflächen sind zum größten Teil strohgelb. Nur hier und da ist hinter einer Hecke ein perfekter englischer Rasen zu erkennen. Zu anderen Zeiten würde das vielleicht bewundernde Blicke auf sich ziehen.

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„Denn das wichtigste ist, dass wir zum Schluss noch Trinkwasser haben“
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Aktuell aber sorgt saftig grünes Gras eher für Naserümpfen. Denn seit Ende Juli steht die sogenannte Wasserampel der Stadt auf Rot, das heißt: Die Menschen in Taunusstein sollen mit dem Wasser aus der Leitung weder ihre Rasen sprengen noch Pools befüllen oder Autos waschen. Die Taunussteinerin Roswitha Stoie findet das richtig: „Denn das wichtigste ist, dass wir zum Schluss noch Trinkwasser haben.“

Sie hat selbst einen Garten, ist grade dabei, Grünschnitt auf einem speziellen Abladeplatz zu entsorgen. Aktuell gieße sie nur noch gezielt die Hortensien, sagt Roswitha Stoie. Und auch sonst spart sie, wo sie kann: „Ich dusche nur noch zweimal in der Woche, sonst wasche ich mich. Und ich fange das Wasser morgens auf und nehme es zum Blumengießen.“ Doch so ganz gerecht behandelt fühlt sie sich nicht.

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„Ich dusche nur noch zweimal in der Woche, sonst wasche ich mich. Und ich fange das Wasser morgens auf und nehme es zum Blumengieße“
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Dass Sport- und Golfplätze weiter bewässert werden, ärgert sie: „Wenn wir sparen sollen, müssen gerade die, die viel Wasser verbrauchen, vorne weggehen. Wir sparen an jeder Kleinigkeit und die verplempern das Wasser im großen Rahmen.“

Die Menschen leben, was das Wasser angeht, über die Verhältnisse

Dabei geht es bei der Wasserampel gar nicht darum, dass die Menschen in Taunusstein besonders wenig Wasser verbrauchen sollen. Es würde schon reichen, wenn es bei dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 120 Litern bleiben würde. Doch der wird seit Monaten deutlich überschritten, sagt Uwe Hartmannshenn, der Leiter der Taunussteiner Stadtwerke. „Das Problem ist die sogenannte Spitzenlast, also das, was auf die 120 Liter noch drauf kommt. Und wenn man sich überlegt, dass eine Gießkanne etwa 10 Liter fasst, wir haben 30.000 Einwohner. 10 mal 30.000 sind 300.000 Liter pro Tag, wenn jeder Einwohner von Taunusstein nur eine Gießkanne verbrauchen würde.“

Natürlich bleibt es nicht bei einer Gießkanne. Je heißer es wird, desto mehr Wasser fließt in Beete und Pools. Im Königsteiner Stadtteil Falkenstein haben die Behörden zwischenzeitlich einen täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von 250 Litern gemessen, verursacht vermutlich vor allem durch Rasensprenger. Allerdings: Der Wasserverbrauch steigt im Sommer auch in anderen Regionen, warum also ist das Wasser grade im Taunus so knapp?

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„Wenn wir sparen sollen, müssen gerade die, die viel Wasser verbrauchen, vorne weggehen. Wir sparen an jeder Kleinigkeit und die verplempern das Wasser im großen Rahmen.“
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Uwe Hartmannshenn sagt, das habe mit der Geologie der Region zu tun. Das Gestein im Taunus speichert Wasser schlecht. Dieses Problem verschärft sich durch den Klimawandel: „Wir kämpfen heute noch hier mit den Auswirkungen von 2018. Ab 2018 – ganz vereinfacht gesagt, kam kein Regen und die Grundwasserspeicher wurden leer – und die Jahre bis jetzt haben auch nicht dementsprechend den Regen gebracht.“

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„Es müssen Wege gefunden werden, mehr Wasser zu sparen“
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Während er das erzählt, steht Uwe Hartmannshenn auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Dort liegt eine der 13 Wasseraufbereitungsanlagen, die die Stadt Taunusstein mit Trinkwasser versorgen. Der Wassermangel wird hier messbar: „Hier sehen Sie am Wasserstand, unsere eigenen Quellen gehen langsam in die Knie.“ Im sogenannten Rohwasserbehälter, in dem Wasser aus den Taunussteiner Brunnen und Quellen einläuft, steht das Wasser niedrig, viel zu niedrig. Um die Bewohnerinnen und Bewohner weiter mit Trinkwasser zu versorgen, kauft die Stadt Taunusstein Wasser zu – das meiste kommt aus dem Hessischen Ried und aus der Wetterau. Doch auch das ist nicht unbegrenzt verfügbar.

Für die Zukunft müssen Städte wie Taunusstein Wege finden, mehr Wasser zu speichern – und zugleich den Verbrauch langfristig zu senken. Einiges tut sich schon, sagt der Leiter der Stadtwerke. So müssen in neuen Häusern Regenwasserzisternen eingebaut werden. Es werden sogenannte Versickerungsgruben angelegt und Steingärten verboten. Außerdem will die Kommune mehr Menschen ermutigen, ihre Dächer und Fassaden zu begrünen.

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