Zwei Schüler in einem Klassenzimmer melden sich

Suchen Sie eine neue Herausforderung? Dann werden Sie doch einfach... Lehrer! Hessen sucht händeringend nach Lehrkräften – auch als Quereinsteiger. Aber fühlen sich die auch gut vorbereitet auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Klassenraum?

An Grundschulen, Hauptschulen, Gymnasien und auch an berufsbildenden Schulen – überall fehlen sie, die Lehrkräfte. Das Land Hessen sucht daher Menschen, die quer einsteigen, also aus anderen Berufen in den Lehrerberuf wechseln.

Michael Ashelm, Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums, zählt die Fächer auf, in denen Lehrkräfte gebraucht werden. Und diese Liste ist lang: An Gymnasien seien das Physik, Kunst und Informatik. An den Haupt- und Realschulen ebenfalls Physik und Kunst, aber auch Chemie und Musik. Und in den Berufsschulen fehlt es an Pädagogen für Metall-, Elektro- und Physiktechnik, Sozialwesen, aber auch Informatik und Gesundheit.

Wer gilt als Quereinsteiger?

Das Kultusministerium fasst unter den Begriff Menschen, aus deren Studienabschluss zwei Schulfächer abgeleitet werden können. Sie kommen in den sogenannten pädagogischen Vorbereitungsdienst, das Referendariat. "Der Quereinsteig fürs Referendariat funktioniert zum Beispiel für Physiker*innen. Aus deren Abschlüssen lassen sich die Fächer Mathematik und Physik folgern."

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"Das Thema" als Podcast: Unentschuldigtes Fehlen - Hessen und der Lehrermangel

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Aktuell arbeiteten in Hessen 177 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in den Studienseminaren. 80 davon seien an Grundschulen, 37 an Berufsschulen tätig. Menschen, die pädagogische Kenntnisse nachweisen und quasi als fertige Lehrkräfte in den Unterricht aufgenommen werden, zählt das Kultusministerium nicht als Quereinsteigende.

"Die Erwartungen sind extrem hoch"

Egal, welcher Weg zum Quereinstieg in den Schulalltag führt - leicht ist er nicht. Wir haben mit einer Quereinsteigerin gesprochen, die Kunstgeschichte und Romanistik studiert hat und nun Französisch an einem Gymnasium im Wetteraukreis unterrichtet. Die Lehrerin möchte anonym bleiben. Im Interview erzählt sie von hohen administrativen Hürden: "Wir probieren, uns die ganzen Sachen als Quereinsteiger zusammenzusuchen - wir sind ja zeitlich extrem angestrengt, weil wir es eben nicht so aus dem Ärmel schütteln. Da ist die Erwartung extrem hoch, dass wir uns engagieren."

Sie wünscht sich, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger von Ministerien und Schulämtern stärker begleitet werden. Es sei alles zu unübersichtlich und unstrukturiert: "Oft ist es im Alltag ein Try-and-Error-Prozess." Wie wird eine Klassenarbeit konzipiert? Wie wird sie bewertet? Wie wird der Unterricht vorbereitet? Fragen, die im Schul-Alltag aufkämen, wenn man nicht auf Lehramt studiert habe.

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„Die Kollegen haben geholfen, so weit sie konnten, aber wir haben uns schon ein wenig allein gelassen gefühlt.“ Quereinsteigerin aus dem Wetteraukreis Quereinsteigerin aus dem Wetteraukreis
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Es gebe zwar viele Weiterbildungsangebote – vom Land Hessen und auch von verschiedenen Kreisen, aber es bleibe sehr unübersichtlich, erzählt sie: "Man hätte einfach Blockunterricht machen können, etwa zur Einführung in den Unterricht. Wie in Frankreich, dass man sagt: Ihr bekommt 'Classroom Management', differenziertes Lernen und so weiter." Andere Quereinsteigende erzählen davon, dass ihnen die Weiterbildungsangeboten des Landes Hessen geholfen haben.

Sind Quereinsteigende wirklich der Ausweg aus der Lehrkraft-Lücke?

Gregor Gehret ist erfahrener Sport- und Englischlehrer an der Main-Taunus-Schule, einem Gymnasium in Hofheim am Taunus. Er sieht den Qereinstieg nicht als Lösung des Lehrkraftmangels: "Ich kenne eine handvoll Quereinsteiger, die einen supermotivierten Job machen und tolle Kolleg*innen sind. Ob das allerdings langfristig der Ausweg aus der Lücke ist, bezweifle ich."

Die Politik müsse für ausreichend Studienplätze, Professorinnen- und Ausbilderstellen und schließlich Referendariatsplätze und Lehrerstellen sorgen, fordert Gehret. Denn im Schulalltag zeige sich: Pädagogik und Berufserfahrung seien neben der fachlichen Ausbildung dringend notwendig - etwa im Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrungen oder Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf.

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