Schließungen bei Warenhaus-Kette Galeria "Das nagt doch mehr an einem, als man denkt"

Durch die Schließungen bei Galeria droht rund 4.300 Beschäftigten die Kündigung. Wie es ihnen jetzt geht, kann Verkäuferin Kerstin Kretsch gut nachempfinden: Ihre Filiale in Fulda schloss bereits vor gut zwei Jahren. Sie hat damals einen Neustart gewagt.

Der frühere Karstadt auf der Frankfurter Zeil soll schon Ende Januar 2024 schließen.
Der frühere Karstadt auf der Frankfurter Zeil soll schon Ende Januar 2024 schließen. Bild © Imago Images
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Wenn jetzt wieder über die Schließung von Galeria-Kaufhäusern und Mitarbeiter-Entlassungen berichtet wird, dann kommen bei Kerstin Kretsch die Erinnerungen hoch. Vor acht Jahren hatte es sie auch getroffen. Nach fast 30 Jahren bei Karstadt sollte sie gehen. Heulend ging sie nach Hause, in der Nacht beschloss sie: gut so! "Das ständige Auf und Ab bei Karstadt - Insolvenz, Angst vor Filialschließungen, Kürzungen, was auch in den zehn Jahren davor immer wieder auf uns zukam ... Und ja, das nagt doch mehr an einem, als man denkt. Immer wieder hat man im Hinterkopf: Wie sicher ist mein Job noch? Wie lange habe ich ihn noch?".

Neustart mit 45 Jahren

Ihr wurde dann überraschend angeboten, doch noch zu bleiben, aber ihr Entschluss stand fest. Mit 45 Jahren wollte sie was Neues wagen. Dabei war die gelernte Einzelhandelskauffrau gerne bei Karstadt, als leitende Verkäuferin - "erste Kraft", wie es heißt. Die Karstadtianer waren eine Familie. "Die 30 Jahre waren zumindest hier im Hause Fulda sehr schön - tolles Klima unter den Kollegen, selbst in den schlechten Zeiten haben wir immer noch Tarif oder meistens Tarif bezahlt bekommen, was in vielen anderen Einzelhandelsgeschäften ja leider nicht der Fall ist", sagt Kerstin Kretsch.

Sie fand eine neue Arbeit: beim Deutschen Roten Kreuz in der Verwaltung. Galeria hatte zwei Filialen in Fulda, Ende 2020 wurde das ehemalige Kaufhof geschlossen. 59 Menschen waren betroffen, 16 wurden arbeitslos, weitere 21 aus der Transfergesellschaft. Bis auf eine Person konnte die Arbeitsagentur Fulda-Bad Hersfeld allen einen neuen Job vermitteln, berichtet Pressesprecherin Luzia Kremser: "Entweder im Einzelhandel, wo ja trotz allem der Personalbedarf hoch ist, oder auch in anderen Bereichen. Wir haben in der Region ja zum Glück einen ziemlich aufnahmefähigen Arbeitsmarkt."

Wenig Hoffnung, wenn sich "ganz oben" nichts ändert

Die ehemalige Verkäuferin Kerstin Kretsch hat ihren Wechsel nie bereut. Zu den anderen Karstadt-Beschäftigten hat sie immer noch Kontakt. Auch wenn Fulda diesmal nicht von Schließungen betroffen ist, es berührt sie trotzdem immer noch: "Man fiebert mit den ehemaligen Kolleginnen mit, dass sie es hoffentlich schaffen. Wenn sich da ganz oben aber nichts ändert und man da nicht die Strukturen komplett verändert ... Ich kann nur für die Kollegen hoffen, dass da mal Ruhe einkehrt, dass man da auch mal für sich selbst ein bisschen zur Ruhe kommen kann. Aber schwierig, glaube ich."

Weitere Informationen

Diese Galeria-Filialen in Hessen schließen

30. Juni 2023
Offenbach, Wiesbaden (Kirchgasse)

31. Januar 2024
Darmstadt (am Weißen Turm), Frankfurt Zeil (ehemaliger Karstadt), Hanau, Limburg, Viernheim

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Sendung: hr-iNFO "Aktuell", 23.3.2023, 6 bis 9 Uhr

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Quelle: hr-inforadio.de/csi