Symbolbild Corona Medizin

Es hustet, schnieft und schnupft gerade wieder bei uns in Hessen. Eine Erkältungswelle geht um, die Corona-Infektionszahlen steigen wieder. Was das alles konkret für niedergelassene Hausärzte bedeutet? Unsere Reporterin hat eine Praxis besucht.

Das Telefon in der Hausarztpraxis in Lampertheim leuchtet auf. Wieder ein Anruf. Dabei sei es heute ruhig, verglichen mit der vergangenen Woche. Da waren es an einem Tag ganze 1863 Anrufe, sagt Jessi Klippel, die in der Praxis hinter dem Empfang sitzt. "Es ist die Hölle. Wir haben zu viele Kranke, zu wenig Ärzte. Die Corona-Infektionen steigen im Moment wieder und was auch wieder zunimmt ist die Grippe."

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"Das Thema" als Podcast: Hessen schnieft und schnauft - Corona und kein Ende

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Der Eindruck der Mitarbeiterinnen am Empfang: In diesem Herbst ist es besonders schlimm. In seinem Arztzimmer gibt ihnen Doktor Florian Wagner grundsätzlich Recht. Seit über vier Jahren arbeitet er als Hausarzt in Lampertheim. "Aktuell ist viel los. Vor allem Erkältungen – Heiserkeit, Halsschmerzen. Wir haben auch – das nimmt jetzt wieder ab – ziemlich viele mit Magen-Darm gehabt."

"Erkältungen werden nachgeholt"

Hausarzt Florian Wagner hat sich inzwischen auch die Zahlen vom RKI angesehen: Die bestätigen seinen Eindruck: Es sind aktuell mehr Infektionserkrankungen als vor der Corona-Pandemie. Woran das liegt, ist schwer zu sagen, so Florian Wagner. Seine Vermutung: Wir haben ja sehr wenige Erkältungserkrankungen gesehen die letzten Jahre. Und ich denke, das wird jetzt quasi nachgeholt." Das Gute daran sei, dass es bis jetzt zumindest keine schweren Verläufe gegeben habe.

Wer sich in der Praxis in Lampertheim mit Erkältungssymptomen meldet, wird gleich in spezielle Räume gesetzt und so schnell wie möglich behandelt, damit der Patient oder die Patientin die Praxis wieder verlassen kann. Deshalb ist es für Florian Wagner auch kein Grund zur Sorge, dass seit September wieder deutlich mehr Menschen in seiner Praxis positiv auf eine Corona-Infektion getestet werden. "Die Routine ist in dem Maße da, so dass das sich fast normal in den Arbeitsalltag integriert. Indem die Patienten – sie dürfen sich ja wieder telefonisch krankschreiben lassen – das melden. Und ich denke, da ist der Höhepunkt für uns fast schon wieder überschritten.

Maske und Gelassenheit

Außerdem seien die Verläufe einer Covid-Erkrankung mit der Omikron-Variante lange nicht so dramatisch wie noch zu Beginn der Pandemie. Hausarzt Florian Wagner bleibt deshalb gelassen beim Blick auf die nächsten Wochen. Risikogruppen und Hochaltrigen rät er zu einer Maske, allen anderen vor allem zu Gelassenheit.

Ähnlich bewertet auch Armin Beck aus Hofheim im Taunus als Vorsitzender des Landeshausärzteverbands die aktuelle Lage. Wie er auf die nächsten Wochen schaut. Ich denke, dass die Praxen vorbereitet sind, weil sie es gelernt haben. Aber die Belastungssituationen sind ähnlich und die Kostensituation höher, zumal etwaige damalige Zusatzeinnahmen über die Covidbehandlungen auch wieder weggefallen sind." Er ist sich sicher, dass das medizinische Personal es schaffen wird, die Situation zu stemmen, "aber sie werden jaulen. Insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Um die nächsten Monate für alle trotzdem etwas angenehmer zu machen, haben die Mitarbeiterinnen in der Lampertheimer Praxis deshalb einen Wunsch an ihre Patienten: Geduld und ein bisschen Verständnis.

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