Obst- und Gemüsestand auf einem Wochenmarkt

Strom, Gas, Lebensmittel, Sprit, Brennholz: Die Liste an Produkten, deren Preise steigen, wird immer länger.Wie stemmen das die Menschen in Hessen? Unsere Reporterin hat mit einer jungen Mutter gesprochen.

Ich stehe mitten in Bornheim, dem schönen Frankfurter Osten. Dort, wo viele Familien leben. Gerade ist Wochenmarkt. Ich kaufe mir kurz zwei Nektarinen, zwei Pfirsiche und ein paar wenige Weintrauben. Dann kommt die Rechnung: Fast zehn Euro kostet mich dieser kleine Einkauf.

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Hilfen gegen hohe Preise: "Ärmere effektiv und schnell erreichen"

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Neben mir steht Lara und packt ihre Tüten in den Kinderwagen. Sie und ihr Mann reden oft darüber, wie teuer alles geworden ist. Vor allem, wenn sie einkaufen: "Bei Lebensmitteln merkt man es am meisten, würde ich sagen. Aber auch bei Drogerieprodukten merkt man es am Kassenbeleg. Wenn man fünf Artikel eingekauft hat und der Beleg ist bei 70 Euro, dann fragt man sich schon: Was habe ich eigentlich gerade ausgegeben?"

9-Euro-Ticket statt Auto

Lara arbeitet im Einzelhandel und ist gerade in Elternzeit. Ihr Mann ist Steuerberater. Die kleine Familie ist vor Kurzem erst nach Dreieich gezogen - zwischen Darmstadt und Frankfurt. Seitdem die Preise in Deutschland derart steigen, müssen die beiden umdisponieren: "Wir versuchen schon, ein bisschen mehr aufs Auto zu verzichten und wir nutzen jetzt auch das 9-Euro-Ticket mehr." Mit dem Auto in die Stadt sei ohnehin auch wegen der Parkgebühren teuer.

Da Lara mit ihrem Mann gerade erst umgezogen ist, lässt die große Stromabrechnung noch auf sich warten. Dann erst wird sich für die beiden zeigen, mit welchen Preisen sie konfrontiert werden. Lara blickt mit ihrem Mann besorgt in die Zukunft - auch wegen des fehlenden Kita-Platzes. Der könnte alles noch schwieriger machen. Ohne Kita-Patz komme sie auch nicht zurück ins Berufsleben und mit einem Gehalt könnte es schwierig werden. "Vor einem Jahr haben wir noch gedacht: Okay, sollten wir keinen Kita-Platz kriegen, muss ich noch nicht arbeiten, dann kriegt man das vielleicht irgenwie auf die Reihe. Aber so ist man jetzt ein bisschen zwiegespalten, weil man nicht so richtig weiß, was auf einen zukommt."

Kein Vertrauen in die Regierung

Vertrauen in die Regierung, dass diese die Situation für die Menschen in Deutschland entschärfen werde, habe sie nicht, erzählt sie mir. Die Pandemie habe ihr gezeigt, dass Versprechungen oft nicht eingehalten werden. Die von Bundeskanzler Scholz geplante steuerfreie Einmalzahlung lässt sie nicht aufatmen. "Man hat zur Zeit das Vertrauen verloren in die Regierung, weil sich die Meinungen zu schnell ändern", sagt sie. "Und dadurch verliert man ein bisschen den Überblick, hört nur so halb zu und denkt: Na gut, dann lassen wir es jetzt erstmal auf uns zukommen."

Zuversichtlich will sie bleiben, erzählt sie mir. Auf den Wochenmarkt nach Bornheim kommt sie trotz der steigenden Preise auch weiterhin. 

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