Gasthof Zum Ochsen

Architekt Peter Bied brauchte einen langen Atem, um aus dem "Ochsen" in Grasellenbach ein Passivhaus zu machen. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Das alte Fachwerkhaus, das kaum noch zu bewirtschaften war, muss heute kaum mehr geheizt werden. Ein Weg, den jeder Hausbesitzer gehen sollte, meint Bied.

Der Gasthof "Zum Ochsen" liegt im Herzen des Grasselenbacher Ortsteils Hammelbach. Die Schieferplatten an der Hausfront glänzen rosa, zur Straße hin prangt der Kopf eines Ochsen. Eine erste Ahnung von der Größe des Gebäudes bekomme ich erst, als ich einmal um das Haus herumgehe – zum offiziellen Hoteleingang. Mich empfängt Architekt und Besitzer Peter Hinz, der mich in die gemütliche Gaststube führt.

"Alles nicht ganz einfach"

"Das Gaststättengebäude ist so knapp 300 Jahre, in dem wir hier sitzen", sagt Hinz. Er zeigt an die Decke über uns, an der das braune Fachwerk gut zu sehen ist. Und das in der Sanierung komplett offengelegt wurde. "Zwischenzeitlich war das hier offen bis hoch, da war nur noch Luft und man hat oben zum Dach rausgeguckt. Dass man sowas zum Passivhaus saniert, ist schon außergewöhnlich." Bei einem Passivhaus versucht man die Hülle – ähnlich wie bei einer Thermoskanne – so zu dämmen, dass weder Wärme noch Kälte nach außen dringen. Dafür, dass im Inneren trotzdem frische Luft ist, sorgt eine Belüftungsanlage. Alles nicht ganz einfach bei einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus, sagt Peter Hinz.

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Er führt in das Herzstück des Ochsen – einen großen Saal im Fachwerkbau. "Hier sieht man schon auch dieses immens dicke Bruchsteinmauerwerk", sagt Hinz. "Aber ich denke nicht, dass Sie sehen, dass es gedämmt ist, oder? Und genau darum geht’s. So dass hier nur ein dickes Mauerwerk sichtbar ist, aber die Dämmung unsichtbar dran ist." Auch die Lüftungsschächte oben an den Wänden fallen kaum auf. Nach langem Kampf habe das Denkmalamt schließlich der Sanierung zum Passivhaus zugestimmt. Doch auch heute – über fünf Jahre nach dem Ende der jahrelangen Sanierungsarbeiten mit über drei Millionen Euro Kosten - muss Architekt Peter Hinz beim Gedanken daran noch tief durchatmen.

Großer Unterschied in der Wirtschaftlichkeit

"Die Sanierung war deutlich teurer und komplizierter, als selbst wir das gedacht haben. Wir waren kurz davor, dass wir es gar nicht sanieren konnten, so schlecht war der Zustand." Doch auch wenn es kräftezehrend war: Peter Hinz ist überzeugt, es hat sich gelohnt. "Wir haben die Energiekosten zu vorher hier gezwanzigstelt. Das heißt, wir haben aus sehr, sehr teuer und kaum mehr zu bewirtschaften etwas gemacht, das kaum mehr geheizt werden muss. Selbst im Winter, wenn die Gäste da sind, wird der Saal von alleine warm."

Bei über 1000 Quadratmetern mit Wohnungen und Hotelbetten macht das einen großen Unterschied in der Wirtschaftlichkeit, sagt er. Pächterin Beatrix Böttcher nickt. Sie hat zusammen mit ihrem Mann seit einem halben Jahr den Gasthof "Zum Ochsen" übernommen – nachdem die beiden gezielt nach einem Gasthof mit Hotel gesucht hatten. "Das Ganze als Passivhaus angeboten zu bekommen, ist ein großer Vorteil für die Zukunft", sagt Böttcher. "Wir haben im Moment den Vorteil, dass wir die Heizung noch nicht anmachen und trotz allem warme Räume haben."

"Jeder muss sein Haus passivhausmäßig dämmen"

Hohe Heizkosten im Winter? Das Problem bleibt Beatrix Böttcher zumindest schon einmal erspart. Für Architekt und Besitzer Peter Hinz einmal mehr Anlass zum Appell: Am Dämmen führt aus Kosten- und auch aus Klimagründen kein Weg vorbei. "Dass das nicht auf einen Rutsch geht und dass das im Moment auch nicht jeder kann, ist auch klar. Aber es ist klar, dass das Ziel formuliert werden msus. Jeder muss sein Haus quasi passivhausmäßig dämmen. Das ist alternativlos."

Für den Ochsen in Grasellenbach bedeutet die Sanierung auf jeden Fall eines: Er ist jetzt wieder der strahlende Mittelpunkt des Odenwälder Ortes.

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