Justin Trudeau und Antonio Guterres auf der COP15

Es sind zwei Krisen, die eng miteinander verzahnt sind und am besten gemeinsam gelöst werden können: die Klima- und die Biodiversitätskrise. Wäre da nicht ein Gipfel für beides sinnvoller als zwei getrennte? Nicht alles spricht dafür.

Elizabeth Mrema stammt aus Tansania, sie ist Anwältin und sie ist als Exekutivsekretärin der UN-Biodiversitätskonvention eine Schlüsselfigur der diesjährigen Weltbiodiversitätskonferenz in Montreal. Für sie steht fest: Zu lange habe man Klimawandel und Biodiversität separat betrachtet. Heute wisse man: Beides gehört zusammen. Das bestätigten 2021 auch Weltbiodiversitäts- und Weltklimarat im ersten Bericht, den sie jemals gemeinsam vorlegten.

Biodiversität und Klimawandel bedingen einander

Die Zusammengehörigkeit der Krisen offenbare sich an teils unvermuteten Stellen, erklärt Arnulf Köhncke vom World Wide Fund for Nature (WWF): "Bei den Waldelefanten zeigt sich das ganz deutlich. Denn die Anwesenheit von Waldelefanten führt dazu, dass der Wald mehr Kohlenstoff speichern kann. Weil das Trampeln der Elefanten im Wald dazu führt, dass größere Bäume nachwachsen, die wiederum mehr Kohlenstoff speichern können, weil sie einfach mehr Biomasse sind.“

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Verschwinden die Waldelefanten aus ihrem zentralafrikanischen Lebensraum - durch Wilderei etwa - verändert sich der Wald in einer Art, dass er am Ende weniger Kohlenstoff speichert. "Gleichzeitig für die Klimakrise dazu, dass im Wald weniger Früchte verfügbar sind, die Waldelefanten essen können. Das bedeutet, wir müssen davon ausgehen, dass die Waldelefanten auch unter der Klimakrise direkt leiden" - und die ihr Verschwinden weiter beschleunigten, so Köhnke. Vergleichbare Beispiele gibt es von anderen Arten zuhauf.

Es müssen Brücken zwischen beiden Konferenzen gebaut werden

Gerade im Jahr 2022, in dem die Vereinten Nationen Klima- und Biodiversitätsschutz in zwei aufeinanderfolgenden Weltkonferenzen verhandeln, stellt sich da die Frage: Ist es gerechtfertigt, zwei Themen getrennt zu behandeln, die so eng miteinander verbunden sind? "Man beginnt schon, Brücken zu bauen zwischen den Klimakonferenzen und den Biodiversitätskonferenzen", sagt der österreichische Ökologe Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main. Das Zusammenlegen der Tagungen erscheint ihm jedoch aus praktischen Gründen unrealistisch: "Man muss sich vorstellen, dass in Ägypten jetzt 40.000 Leute dort waren. Das ist eine unglaubliche Menge. Ich glaube nicht, dass Konferenzen von 60.000 bis 70.000 Menschen im Endeffekt wirklich so effizient sind."

Zitat
„Ich glaube nicht, dass Konferenzen von 60.000 bis 70.000 Menschen im Endeffekt wirklich so effizient sind“ Klement Tockner, Ökologe Klement Tockner, Ökologe
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Sicher - im Rahmen von Fachkonferenzen für Biodiversität oder Klima können Spezialfragen vermutlich besser diskutiert und beantwortet werden. Angesichts dessen, dass viele Konferenzen und Abkommen mit relativer Wirkungslosigkeit zu kämpfen haben, wäre allein das gewiss von Nutzen. Die Worte von Elizabeth Mrema lassen dennoch vermuten, dass sie sich Weltklima- und Biodiversitätsgipfel auch in einem vorstellen kann. Sie wünscht sich ein gemeinsames Handeln aller Bereiche. Doch vielleicht ist die Frage der Organisation am Ende auch nur nebensächlich. Worauf es schlussendlich ankommt, ist, dass die Beschlüsse der Gipfeltreffen ernst genommen und umgesetzt werden.

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