Der deutsche Astronaut Matthias Maurer (dpa)

Seit Mai ist Matthias Maurer zurück aus dem All. Sechs Monate hat der deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS verbracht. In unserem Raumfahrt-Podcast "WeltraumWagner" spricht er darüber, wie er und seine russischen Kollegen Russlands Angriff auf die Ukraine wahrgenommen haben.

Am 23. März wird ein Traum von Matthias Maurer Wirklichkeit: Langsam schiebt er sich aus der Luftschleuse der Raumstation. Er schwebt im hinaus in den Weltraum. Die Erde befindet sich rund 400 Kilometer unter ihm. "Es ist ein ganz unwirkliches Gefühl, in diesem Raumanzug zu sein und zu wissen: Um mich herum ist jetzt eigentlich nur noch Nichts", sagt Maurer.

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WeltraumWagner Spezial: Schwierige Mission in Kriegszeiten – Matthias Maurer zurück von der ISS

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Fast sieben Stunden lang arbeitet er außen an der Raumstation, zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Raja Chari. Alle 45 Minuten geht die Sonne auf oder unter, so schnell rast die ISS um die Erde. Dabei merkt Matthias Maurer: Es ist ganz schön schwierig, auf der Nachtseite die Orientierung zu behalten. "In meinem Kopf habe ich mich gefühlt, als wenn ich über eine Ölplattform krabbeln würde", sagt Maurer. "Unter mir war so eine Art grauer Nebel, da konnte ich die Erde ja nicht erkennen. Und dann die Zwischenphasen: Wenn unten Tag war, dann war das ja wie Arbeiten vor einer Riesenleinwand - ganz spektakulär also. Das war sehr, sehr viel Kopfkino."

"Niemand konnte verstehen, was da unten passiert"

Diese Eindrücke wird der Mann aus dem Saarland nie vergessen. Aber als er hinaus in den Weltraum schwebte, war unten auf der Erde schon längst ein neuer Krieg ausgebrochen. Russlands Angriff auf die Ukraine war sofort ein Thema an Bord der Raumstation. Dort arbeiten auch russische Kosmonauten. "Wir haben das sehr schnell und aktiv angesprochen. Und ja, alle sechs, sieben dort oben waren dann direkt einer Meinung, die russischen Kollegen, die amerikanischen Kollegen - niemand konnte verstehen, was da unten passiert."

Eigentlich hätte die Besatzung der ISS das auch gerne dem Rest der Welt mitgeteilt, etwa über sie sozialen Medien: eine Friedensbotschaft aus dem Weltraum. Die Verantwortlichen auf der Erde haben sich aber dagegen entschieden. "Wir müssen uns einfach auf unser Management verlassen. Und wenn unser Management sagt, jetzt ist keine Gelegenheit, in sozialen Medien darüber zu sprechen, dann ist es wie beim Militär. Da muss man auch sagen: Okay, der Chef hat das entschieden. Und das haben wir dann oben auch verstanden und eingesehen, obwohl es uns ständig unter den Fingernägeln gejuckt hat."

Raumfahrt als Brücke in die Zukunft

Am 6. Mai kam Matthias Maurer wieder zurück aus dem Weltraum, an Bord einer Kapsel von SpaceX. Ein sogenannter „Splashdown“ mitten in der Nacht, im Golf von Mexiko. Die Mission von Matthias Maurer war wegen des Krieges in der Ukraine anders verlaufen als geplant. Pressekonferenzen wurden abgesagt, es gab viel weniger Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Der Krieg hat auch diese Mission „Cosmic Kiss“ überschattet. Es wurde sogar spekuliert über ein Ende der ISS, oder einen Ausstieg von Russland bei dem Projekt.

Matthias Maurer aber sieht gerade die Raumfahrt als Brücke in die Zukunft: Die ISS, so meint er, sollte auch deshalb nicht aufgegeben werden. "Diese ISS Kooperation, die funktioniert sehr, sehr, sehr erfolgreich seit über 20 Jahren. Aber die Vorphase, das aufzubauen, das sind ja noch mal 10, 20 Jahre, die davor existieren. Das heißt, wenn wir jetzt überschnell diese Kooperation beenden würden, dann hätten wir 40 Jahre Kooperation kaputtgemacht. Wir müssen nach dem Krieg - und der Krieg wird ja irgendwann zu Ende sein - Russland wieder einbinden in internationale Kooperationen."

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