Urlauber gehen zum Terminal des Kassel-Airports.

Schon vor seiner Eröffnung war der Kassel-Airport umstritten. "Wichtig für die Region" sagten die einen, "Steuerverschwendung" die anderen. Heute, zehn Jahre später, schreibt er tiefrote Zahlen. Wie geht es weiter mit dem Flughafen in Hessens Norden? Auch das ist umstritten.

Check-In am Kassel-Airport. Die Urlauber wollen in den sonnigen Süden. Sie sind zufrieden mit dem Flughafen im Norden Hessens: entspanntes Reisen, kurze Anreise, kostenfreie Parkplätze, keine Warteschlange. Auf den ersten Blick stimmt es also am Kasseler Flughafen. Aber das große Ziel aus dem Jahr 2013 hat man noch immer nicht erreicht. Der damalige Finanzminister Thomas Schäfer hat es vorgegeben: "Auf Sicht mit einer Passagierzahl von über einer halben Million im Jahr dann auch eine schwarze Null beim Betrieb des Flughafens erreichen zu können."

Im besten Jahr des Flughafens waren es aber nur gut 130.000. Das Ziel wurde also deutlich verfehlt. Und noch immer schreibt der Airport tiefrote Zahlen, sechs Millionen Defizit sind es. Mathias Warneke vom Bund der Steuerzahler empfiehlt für die Zukunft eine Radikalkur: "Eine Möglichkeit ist in der Tat, gesundzuschrumpfen - dass man rausgeht aus dem Geschäft mit Linien- und Charterflugverkehr, weil das auch einen großen Teil der Fixkosten erklärt, dann würde man von diesem großen Kostenblock runterkommen."

Mögliche Wege aus dem Defizit

Gesundschrumpfen? Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen hat zwar den Kasseler Flughafen früher strikt abgelehnt. Aber das war zu Oppositionszeiten. Jetzt sagt er: "Dass man für 300 Millionen Euro anderes hätte machen können, von dem Nordhessen wahrscheinlich mehr profitiert hätte, das ist auch wahr, und ich kann einfach nur sagen: Es ist, wie es ist, und wir müssen jetzt einfach mit der Situation umgehen, wie sie ist."

Ein möglicher Weg aus dem Defizit: Grundstücke am Flughafen verkaufen. An Investoren aus der Wirtschaft. Die Piper AG, ein Hersteller für Kleinflugzeuge, hat sich schon vor vielen Jahren am Flughafen niedergelassen. Vorstand Patrick Weilbach gibt sich betont optimistisch: "Wir schaffen vielleicht keine 600.000 Passagiere, aber wir schaffen andere Business-Felder, die diesen Flughafen zu einer Erfolgsstory machen werden. Wir haben das größte landseitige Gewerbegebiet an einem Flughafen, ich glaube sogar in Europa."

Kampf gegen Klimawandel soll helfen

Aber erweitern, Geld in die Hand nehmen für den Standort Calden - das will Patrick Weilbach nicht zusagen. Auch das Unternehmen Airbus Helicopters ist am Flughafen vertreten. Geschäftsführer Vark Helfritz sagt aber: "Ob wir Infrastrukturmaßnahmen treffen werden, also gezielt hier eine Halle, neue Gebäude, Erweiterungen vornehmen müssen, das werden wir erst richtig analysieren."

Keine Zusagen also. Hessens Finanzminister Michael Boddenberg setzt trotzdem auf die Zukunft. Der Kampf gegen den Klimawandel soll helfen. Denn der bringe neue Technologien: "Hybride Technologien beim Antrieb, Wasserstoff als ein weiteres Beispiel, synthetische Kraftstoffe - alles das bietet auch und gerade mit der Ansiedlung der großen Unternehmen in Kassel-Calden eine Chance, dass Nordhessen an diesen Technologiesprüngen massiv mitwirkt und davon auch profitiert."

Den Kassel Airport schließen oder verkleinern: Die Landesregierung will das nicht. Auch nach zehn Jahren gilt das Prinzip Hoffnung.

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