Pflegekräfte von Unikliniken demonstrieren für Entlastungen per Tarifvertrag

Dem Pflegepersonal in Einrichtungen haben die Corona-Maßnahmen einen viel höheren Aufwand beschert, der schwer zu stemmen ist. Ein Altenpflegeheim in Offenbach hat sich an einer bundesweiten Protestaktion beteiligt, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Shailesh Solanki liebt seinen Job. Dabei ist der berufliche Alltag des examinierten Pflegers im Heim St. Elisabeth in Offenbach kein Zuckerschlecken. Damit, sich um die Bewohnerinnen und Bewohner der Caritas-Einrichtung zu kümmern, ist es längst nicht getan. Das liegt auch an den Vorgaben in Sachen Corona, wie Shailesh Solanki erklärt: "Wenn der Besucher kommt, dann muss er sich anmelden." Dabei müssten die Besucher betreut werden, das hätten die Pflegekräfte teilweise übernommen.

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Alles wieder auf Abstand? – Das neue Infektionsschutzgesetz

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Es ist viel Arbeit, die Pflegeeinrichtungen in den Infektionsschutz investieren müssen. So muss etwa fein säuberlich aufgeschrieben werden, wer kommt und wer geht. Tests und Impfnachweise müssen geprüft und dokumentiert werden. Bis Juni konnten die Heime das über den Pflegerettungsschirm abrechnen – und so Leute bezahlen, die sich um solche Aufgaben gekümmert haben. Jetzt müssen Pflegefachkräfte wie Shailesh Solanki diesen Papierkram erledigen. "Da haben wir weniger Zeit für andere Tätigkeiten."

"Eindeutige Überlastung"

Mit der Aktion "Besuch vor der Tür" machen Pflegeheime in katholischer Trägerschaft gerade in ganz Deutschland auf den Missstand aufmerksam – auch in Offenbach. Denn vor der Tür würden alle Besuche enden, wenn die Zusatzaufgaben wegen Corona liegenblieben, sagt Katja Roßwog, die zuständige Geschäftsführerin der Offenbacher Caritas. Also schultert das Pflegepersonal auch noch diese Arbeit: "Der ganze Bürokratie-Kram lastet auf der Pflege." Dazu gehörten Einlasskontrollen und Testungen, die mittags nebenher von den Mitarbeitern durchgeführt werden, erklärt Roßwog. "Wir reden hier eindeutig von einer Überlastung"

So erlebt das auch Helmut Beyer. Seit einem Sturz vor ein paar Jahren ist er auf den Rollstuhl angewiesen und lebt im Altenpflegeheim St. Elisabeth. Er lobt den Standard und das Personal dort und gibt bei dem Mehraufwand gleichzeitig zu bedenken: "Ist klar, dass die irgendwann an ihr Limit kommen."

Mehr Kommunikation, mehr Formulare

In ganz Deutschland arbeitet das Personal in Einrichtungen der Altenpflege seit zweieinhalb Jahren quasi durchgehend an der Grenze des Zumutbaren – und darüber. Alles wird geregelt und kontrolliert, um besonders gefährdete Menschen so gut wie möglich zu schützen. Das hilft laut Katja Roßwog dabei, umsichtig zu sein – aber zugleich ist ein bürokratisches Monster entstanden. Etwa, wenn eine Pflegekraft an Corona erkrankt. Dann muss geschaut werden, "wann war ich mit dem im Dienst, hatte ich nur FFP2-Kontakt?" Es brauche viel mehr Kommunikation und es gibt einen erheblichen Mehraufwand für Formulare und Meldungen. "Seit Corona ist der unermesslich."

Um die Pflege nicht noch mehr zu belasten, müssten die Kosten für solche pandemiebedingten Aufgaben erstattet werden, sagt Roßwog. Das überarbeitete Infektionsschutzgesetz, das nach dem Bundestag noch durch den Bundesrat muss, sieht das nicht vor. Immerhin bekommen Altenpflegeheime auch weiterhin Corona-Tests bezahlt.

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