Demo für die Vier-Tage-Woche

Nur noch vier statt fünf Tage in der Woche arbeiten: Für viele Arbeitnehmer wäre das ein Segen. In vielen Ländern wird das Modell schon ausgiebig getestet, auch in Deutschland haben es einige Firmen umgesetzt. Aber geht das wirklich so ganz ohne Nachteile?

Die Arbeit von fünf Tagen in nur vier Tagen erledigen, in der Regel bei gleicher Bezahlung - dieses Arbeitsmodell wird weltweit schon von etlichen Firmen getestet, meint Oliver Sträter, Arbeitspsychologe der Universität Kassel. "Die Entwicklung der Vier-Tage-Woche hat im Sommer letztendlich groß Fahrt aufgenommen im angloamerikanischen Raum, hauptsächlich in England, Neuseeland, da ist es sehr bekannt", sagt Sträter.

Aber es gebe auch hier in Deutschland einige Firmen, die das umgesetzt hätten, gerade in der Region Kassel, Nordhessen. Und die hätten damit sehr positive Erfahrungen gemacht.

Stimmung und Produktivität ist besser

Auch die ersten Studien zeigen: Führen Unternehmen die Vier-Tage-Woche ein, sind die Mitarbeiter zufriedener. Sie bekommen Beruf und Familie besser unter einen Hut und sparen Anfahrtswege und damit verbundene Kosten. Und obwohl sie weniger Tage pro Woche arbeiten, erledigen sie ihre Arbeit unter dem Strich genauso gut.

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Arbeitspsychologe Sträter meint, die Unternehmen hätten keine Einbußen. "Tatsächlich sogar im Gegenteil: Die Stimmung ist besser, die Produktivität ist in solchen Unternehmen besser. Deshalb wollen viele ja auch diese Vier-Tage-Woche fortführen, nachdem sie das in Versuchszeiträumen gemacht haben."

Tägliche Arbeitszeit kann zum Problem werden

Die tägliche Arbeitszeit kann allerdings zum Problem werden. Normalerweise arbeitet ein Mitarbeiter acht Stunden pro Tag, höchstens dürfen es bis zu zehn Stunden sein. Deshalb ist es grundsätzlich möglich, die Arbeit von fünf Tagen auf vier zu verteilen. Aber der Wiesbadener Arbeitsrechtler Dirk Wolf mahnt: "Wer bei einer Vier-Tage-Woche weiterhin im Rahmen einer 40-Stunden-Woche arbeiten will, bewegt sich konstant am Limit des arbeitsrechtlich Zulässigen, jede Minute Mehrarbeit wäre damit automatisch ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz" - und damit strafbar.

Bis zu zehn Stunden am Tag zu arbeiten, ist laut Wolf sowieso nicht in jeder Branche möglich. Bei Versicherungen oder in der IT gehe es leichter. Im Handwerk oder in der Pflege sei es dagegen schwierig, weil die Arbeit oft einfach zu anstrengend sei. An Überstunden ist da überhaupt nicht mehr zu denken, sagt der Kasseler Arbeitspsychologe Sträter: "Um dort dann eben auch ein bisschen Flexibilität und Puffer zu haben, sind einige Firmen sogar so weit gegangen, den Mitarbeitenden Stunden zu schenken. Das heißt also für weniger Arbeit dann denselben Lohn zu bekommen."

Keine Abstriche beim Urlaub

Das bieten Firmen auch an, um in Zeiten von Fachkräftemangel Nachwuchs zu gewinnen. Einführen können Arbeitgeber die Vier-Tage-Woche aber nur, wenn sie die Mitarbeiter ins Boot holen, die Arbeitszeiten und Abläufe mit ihnen zusammen besprechen. Abstriche etwa beim Urlaub müssen die Arbeitnehmer nicht befürchten.

Arbeitsrechtler Wolf erklärt, bei einer Fünf-Tage-Woche stünden Mitarbeitern mindestens 20 Tage Urlaub zu und bei einer Vier-Tage-Woche sei es entsprechend weniger. Aber auch wenn sich der vertraglich zugesicherte Urlaub um ein Fünftel reduziere: Da der Arbeitnehmer auch nicht mehr fünf Tage, sondern nur noch vier Tage Urlaub beantragen müsse, um eine Woche Urlaub zu erhalten, könne er also genauso viel Urlaub machen wie zuvor.

So ist eine Vier-Tage-Woche in vielen Punkten erst einmal gewöhnungsbedürftig und organisatorisch eine Herausforderung. Doch ersten Studien zufolge dürften am Ende alle davon profitieren.

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